Acetyl Hexapeptide-3 (Argireline)

Acetyl Hexapeptide-3 (Argireline)

Peptide sind körpereigene Eiweißbausteine, die unseren Zellen das Signal zur Regeneration der Haut geben, darüber hinaus aber auch noch andere Funktionen im menschlichen Körper erfüllen.

Peptide charakterisieren sich durch Verknüpfung von 2 oder mehreren Aminosäuren, die meist als lineare, gelegentlich auch ringförmige Kettenmoleküle, vorliegen. Aminosäuren verknüpfen sich durch eine sogenannte Peptidbindung, d.h. über die Carboxylgruppe der einen Aminosäure mit der α-Aminogruppe der anderen Aminosäure unter Wasserabspaltung. Die Zahl der Aminosäuren, die als Peptid vorliegen können, geht bis in die Tausende (es gibt keine scharfe Abgrenzung der Peptidnomenklatur, im Allgemeinen haben Oligopeptide = 2–9, Polypeptide = 10–100 und Makropeptide über 100 Aminosäuren)

So haben sie zum Beispiel antibakterielle, antibiotische oder auch entzündungshemmende Wirkungen. Andere Peptide wiederum treten in Form von Hormonen auf: Oxytocin und Insulin sind in diesem Zusammenhang besonders bekannt. Peptide können auch als Gift wirken oder sind Bestandteile von Giften, z.B. von Bienengift und Schlangengift. Geschmackspeptide, wie Süßpeptide (Aspartam) oder Bitterpeptide sind auch von Bedeutung. In der Kosmetik gelten Peptide als Wunderwaffe gegen Falten und andere Alterungserscheinungen der Haut, denn sie dienen als eine Art Signalgeber und veranlassen unseren Körper dazu, bestimmte physiologische Funktionen wie Zellvitalität, -wachstum und Hauterneuerung anzuregen und zu verbessern. Mehrere klinische Studien konnten die Wirksamkeit der Stoffe inzwischen bestätigen.

 

Peptide: Gut für Haut und Haar

Dass Peptide nicht nur medizinischen Zwecken dienen, sondern auch kosmetisch hoch effizient wirken, wurde eher zufällig entdeckt: und zwar während verschiedener Studien zur Wundheilung. Aus der enormen Bandbreite der Peptide stechen einige Substanzen besonders deutlich hervor. Da sind zum einen die Agireline (INCI-Bezeichnung: Acetyl-Hexapeptide 3). Ihnen wird eine Botox-ähnliche Wirkung nachgesagt, denn sie sollen die Kontraktion der Gesichtsmuskulatur hemmen können. Doch diese Peptide werden nicht wie Botox unter die Haut gespritzt, sondern als Inhaltsstoffe in Cremes auf die Haut aufgetragen. Dennoch stellten Wissenschaftler fest, dass  die Faltentiefe um bis zu 30 Prozent reduzieren können. Die Peptide Palmitoyl Pentapeptide-4 führen ebenfalls zu einer Verringerung der Faltentiefe beziehungsweise Faltenbreite. Ähnliches gilt für die Peptide mit dem schwierigen Namen Dipeptide Diaminobutyroyl Benzylamide Diacetate, die jedoch gleichzeitig in der Lage sind, die Haut auch noch geschmeidig und weich zu machen. Glutathion, ein Tripeptid, das ebenfalls zur Gruppe der Peptide gehört, wird in der Hautpflege als effektiver Radikalfänger eingesetzt. Die Substanz ist im Körper an Redoxvorgängen beteiligt. Die sogenannten Hexapeptide lindern außerdem hartnäckige Mimikfältchen. Grundsätzlich tragen die wichtigsten Peptide dazu bei, die Kollagenproduktion in der Haut zu stimulieren und die Hautelastizität zu fördern. Einige Substanzen haben zudem starke entzündungshemmende Eigenschaften.

Doch das waren längst noch nicht alle Vorteile. Peptide gelten nämlich auch als sehr gut verträglich und sind für jeden Hauttyp geeignet. Durch die Anwendung peptidhaltiger Präparate wird die natürlich Hautbarriere nicht beeinträchtigt, sondern sogar gestärkt. Wer regelmäßig entsprechende Kosmetikprodukte verwendet, sieht nach einiger Zeit meist deutlich jünger und frischer aus.

Kosmetikprodukte wie Anti-Aging-Cremes, die Peptide enthalten, richten sich in erster Linie an reifere Haut ab einem Alter von etwa 35 bis 40 Jahren. Sie sind, sofern es sich um hochwertige Präparate handelt, sehr wirksam, allerdings nur temporär. Das heißt, nach dem Absetzen stellt sich nach einer gewissen Zeit wieder der ursprüngliche Zustand der Haut ein. Eine regelmäßige und kontinuierliche Anwendung wird daher ausdrücklich empfohlen. Dies ist aber auch bereits der einzige Nachteil, den peptidhaltige Kosmetika hat.

Darüber hinaus können Peptide sogar den Haarwuchs ankurbeln. Allerdings gilt dies nur für bestimmte Substanzen: Die in der Thymusdrüse enthaltenen Peptide sind in der Lage, Störungen am Haarfollikel zu neutralisieren oder zu normalisieren. Spezielle Präparate, die Thymus-Peptide enthalten, unterstützen die Bildung neuer Haarzellen und verlängern die Wachstumsphase der Haare. Und mehr noch: Auf kahlen Stellen, die jedoch nicht älter als drei Jahre sein dürfen, können diese Peptide den Haarwuchs wieder zu neuem Leben erwecken. Auch hier haben wieder mehrere klinische Studien die Wirksamkeit bestätigt.

Wissenschaftlich gesehen sind Peptide Teilstücke oder Bruchstücke von Proteinen. Sie unterscheiden sich von den klassischen Proteinen nur durch die Anzahl der enthaltenen Aminosäuren. Je mehr Aminosäuren das Molekül enthält, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich hier nicht mehr um Peptide, sondern um Proteine handelt.

Um in kosmetischen Produkten eingesetzt werden zu können, müssen Peptide künstlich hergestellt werden. Bei Bedarf lassen sie sich dabei sogar in ihrer chemischen Zusammensetzung verändern. In der Welt der Kosmetik sind Peptide noch relativ neu. Langzeitstudien liegen noch nicht ausreichend vor, dennoch gilt es als erwiesen, dass die hochwirksamen Substanzen tatsächlich wie eine Art Jungbrunnen wirken. Idealerweise werden Peptide in der Kosmetik mit anderen wertvollen Inhaltsstoffen kombiniert. Gemeinsam mit Vitaminen wie A, C, E oder Pro-Vitamin B5 stimulieren sie die naturgemäß verlangsamte Regeneration der reifen Haut. Hier einige Beispiele, für welchen Einsatz man Peptide in der Kosmetik einsetzt:

  • Peptide mit verbesserter Wirkung auf die Collagensynthese z.B. Palmitoyl-Pentapeptid
  • Peptide mit Wirkung auf die neuromuskulären Synapsen der mimischen Fältchen, Botox-ähnlicher Effekt, gut bekannter Vertreter ist das Acetyl-Hexapeptid (Agireline)
  • Peptide mit hormoneller Wirkung = Cytokine und Wachstumsfaktoren wie Fibroblast Growth Factor (FGF). Es sind Signalmoleküle, die viele biologische Vorgänge steuern
  • Unspezifische Oligopeptide wie z.B. Soja-Oligopeptide und hydrolysiertes Milchproteinen. Diese Oligopeptide werde in der Haut abgebaut und die daraus resultierenden freien Aminosäuren, unterstützen verschiedenen Hautfunktionen
  • Immer häufiger ist auch von Aquaporinen zu lesen. Es sind Proteine, die den Durchtritt von Wasser durch Zellmembranen ermöglichen und so eine Befeuchtung in tieferen Hautschichten ermöglichen

 

 Fazit: Peptide in der Kosmetik sind mehr als nur ein vorübergehender Trend

Kosmetikprodukte mit Peptiden überschwemmen momentan geradezu den Markt. Doch hier handelt es sich keineswegs um einen zeitweiligen Trend oder eine Modeerscheinung, sondern um höchst effiziente Substanzen, die eine ausgezeichnete Verträglichkeit bieten. Bei regelmäßiger Anwendung sorgen hochwertige und nach Möglichkeit zertifizierte Präparate mit Peptiden dafür, dass Haut und Haare gesund bleiben und altersbedingte Erscheinungen gelindert oder verhindert werden. Es darf davon ausgegangen werden, dass die Forschung in Zukunft weitere Erfolge bei der Erforschung der Peptide vorweisen kann. Grundsätzlich ist der Einsatz von Peptiden in der Haut- und Haarpflege daher auch als eindeutig positiv zu bewerten, zumal bisher keine unerwünschten Begleiterscheinungen nachgewiesen wurden.

 

Quellen:

Blanes-Mira C, Clemente J, Jodas G et al, „ A synthetic hexapeptide (Argireline) with antiwrinkle activity”, Int J Cosmet Sci 24, S. 303–10 (2002)

Byrne AJ, Al-Bader T, Kerringan D et al, Synergistic action of a triple peptide complex on an essential extra-cellular matrix protein exhibits significant ant-aging benefits. J Cosmet Dermatol 9, S. 108-116 (2010)

Jakubke, H.-D.: Peptide. Chemie und Biologie. Heidelberg 1996

Robinson LR, Fitzgerald NC, Doughty DG et al, “Topical palmitoyl pentapeptide provides improvement in photoaged human facial skin”, Int J Cosmet Sci 27, S. 155-160 (2005)

Farwick M, Grether-Beck S, Marini A et al, “Bioactive tetrapeptide GEKG boosts extracellular matrix formation. In vitro and in vivo molecular and clinical proof, “ Exp Dermatol 20, S. 600-613 (2011)