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Sonnenblumenwachs

Sonnenblumenwachs

Ein neuer Naturrohstoff wird gewonnen

Biowachse, wie das Sonnenblumenwachs,  haben die Menschheit auf ihrem langen Weg in die Zivilisation begleitet. Schon die ältesten Hochkulturen der Welt haben mit Bienenwachs Kosmetik angerührt, Schiffe abgedichtet, Schreibtafeln präpariert und Leuchtmittel hergestellt. Biowachse sind in den letzten Jahrzehnten von synthetischen Äquivalenten zurückgedrängt worden. Doch im Rahmen dringlich gebotener Nachhaltigkeits-Bestrebungen und sich verknappender Erdölreserven gewinnen die Biowachse wieder an Bedeutung.

 

Herkunft und Gewinnung

Eine relativ neue Entwicklung auf diesem Naturprodukte-Markt ist das Sonnenblumenwachs. Insbesondere die Kosmetikindustrie beginnt diese Wachssorte als Alternative zum Bienenwachs zu nutzen. Sonnenblumenwachs wird aus dem Öl der Sonnenblume (INCI: Helianthus Annuus Sunflower Seed Oil) hergestellt. Die heliotrophe Pflanze stammt ursprünglich aus Nordamerika, wird aber heute in großem Stil auch in Europa und Russland angebaut. Es sind zwei Sorten von Sonnenblumenöl zu unterscheiden, das High-Oleic-Öl und das native Öl. Die High-Oleic-Öle stammen von züchterisch (nicht gentechnisch) veränderten Pflanzen, die eine vierfache Ausbeute an Ölsäure erbringen. Diese Öle werden vor allem in der Industrie und als Brat- und Frittieröl verwendet. Das native Öl der züchterisch unveränderten Sonnenblume kommt in der gesunden Naturkostküche ebenso zum Einsatz wie in der Kosmetikherstellung als mildes und preiswertes Basisöl. Auch der High-Oleic-Typ findet kosmetische Beachtung, denn er ist als Basisöl oxidationsstabil und lässt sich mit Ölen der Gruppe B-0 gut in Tagespräparate einarbeiten. In Proben von unraffiniertem Sonnenblumenöl ist bisweilen ein trübes Sediment zu finden. Dieses Sediment rührt von der feinen Wachsschicht her, mit der Sonnenblumenkerne überzogen sind. Durch schonende Raffination von nativem Sonnenblumenöl wird das zart vanillegelbe Sonnenblumenwachs gewonnen. Mit ihm liegt ein vielversprechender neuer Naturrohstoff für industrielle und kosmetische Verwendungen vor.

 

Moderner Auftritt einer uralten Pflanze

Sonnenblumenöl ist ein seit Urzeiten verwendetes Naturöl. Die Sonnenblume galt bei den Indianern Mexikos viele Jahrtausende vor Christi Geburt als gesegnete Pflanze. Das Sonnenblumenwachs hingegen ist erst in den letzten Jahren in den Fokus geraten. Dabei könnte den Sonnenblumenwachsen die Zukunft gehören. Mit zunehmender Besorgnis haben Fachleute die Zunahme von Mikroplastik in der Nahrungsmittelkette beobachtet. Was der normale Verbraucher nicht weiß: Winzige Plastikpartikel aus Polyethylen befinden sich als Füll- und Peelingstoff in einer Vielzahl kosmetischer Produkte wie Zahncremes und Duschgels. Diese biologisch nicht abbaubaren Teilchen sind über die Abwässer in die Nahrungskette gelangt und wurden in Trinkwasser und Lebensmitteln nachgewiesen. Abhilfe könnte ein neues, vom Fraunhofer-Institut für Umwelt entwickeltes Verfahren schaffen, durch das es im großen Stil möglich wäre, Mikropartikel aus Naturwachsen herzustellen. Sonnenblumenwachs steht hier als Rohstoff an erster Stelle, denn das Wachs kann in den benötigten Mengen und günstig geliefert werden. Neben der industriellen Verwendung spielt Sonnenblumenöl und das aus ihm raffinierte Sonnenblumenwachs in der Naturkosmetik eine wichtige Rolle.

 

Sonnenblumenwachs – die Eigenschaften

Der Schmelzpunkt der zart vanillegelben Wachspellets liegt zwischen 75 und 80 Grad Celsius. Sonnenblumenwachs besitzt ein hervorragendes Ölbindevermögen. Auf der Haut bildet es einen angenehmen, schützenden Film. Die Beimischung zu Kosmetikprodukten wie Lippenpflegestiften, Cremes und Körperbuttern macht diese in der Konsistenz fester und stabiler. Sonnenblumenwachs kann dem Kosmetikum in einem Mengenverhältnis von bis zu 5 % hinzugefügt werden. Sonnenblumenwachs wird oft mit Bienenwachs verglichen, hat diesem gegenüber aber drei Vorteile: Es ist günstiger; es hat einen höheren Schmelzpunkt; und es ist vegan. Das Sonnenblumenwachs emulgiert sehr schnell und bildet in der Kosmetikherstellung hochglänzende, leicht viskose und opake Cremes. Unter 55°C ist kein Anteil des Sonnenblumenwachses geschmolzen, so dass dieses Wachs eine sehr gute Wärmestabilität liefert. Der Duft ist sehr zart, unaufdringlich: Produkte auf der Basis von Sonnenblumenwachs lassen also viel Spielraum für Duftkreationen. Alles in allem hat sich in den erprobten kosmetischen Anwendungen das Sonnenblumenwachs als vegane und günstige Alternative zum Bienenwachs bewährt. Ein eigenes, in seiner Wirksamkeit gut belegtes Anwendungsgebiet von Sonnenblumenöl und Sonnenblumenwachs sind Haarpflegeprodukte. Das Öl pflegt die Haare nicht nur, sondern versorgt sie mit Vitaminen und hilft gegen Trockenheit und Schuppen. Mikrofeine Sonnenblumenwachs-Partikel bilden Synergien mit Keratin: Ein natürlicher Repair-Effekt wird in Gang gesetzt. Die winzigen Wachsteilchen sind die probate Basis natürlicher Haarstyling-Produkte. Bei geringer Dosis ist ein überaus natürliches, modellierbares und haltbares Styling möglich. Damit hat auch auf dem Markt des Haarstylings die Naturkosmetik an Boden gewonnen.

 

Steckbrief Sonnenblumenwachs:

CAS-Nummer: 999999-99-4

INCI: Helianthus Annuus Seed Cera

Funktion: Konsistenzgeber, Coemulgator

Handelsnamen: Kahlwax 6607 L (Kahl & Co.KG)

Sunflower Wax (KosterKeunen)

Hauptbestandteile: C42-C60 Ester (C20-C32 Fettalkohole verestert mit C20-C28 Fettsäuren)

 

Sonnenblumenwachs hat eine große Zukunft

Das Sonnenblumenwachs ist das Raffinat des Öls einer der ältesten Nutz- und Kosmetikpflanzen der Menschheit. Als natürlicher Ersatz für Mikropartikel aus Polyethylen steht das Sonnenblumenwachs an der Schwelle einer neuen Nutzung im großen Stil. In der Kosmetik kann es als veganes und günstiges Äquivalent zum Bienenwachs fungieren. Sein hoher Schmelzpunkt, seine Fähigkeit, schnell zu emulgieren und seine Hautfreundlichkeit machen es zu einem wichtigen Basisprodukt in der Kosmetikherstellung. Fragen Sie gerne bei uns an, wenn wir Ihre Produkte auch mit Sonnenblumenwachs optimieren sollen.

 

Quellen: