Beerenwachs

Beerenwachs

Geschichte

Schon in der Vergangenheit setzten schönheitsbewusste Frauen auf die Wirkung von Beerenwachs. Sie stellten beispielsweise in mühevoller Handarbeit Pflegebutter her, die außer Beerenwachs lediglich Kokosöl und später auch Kokosraspeln enthielt. Eine solche Pflegebutter wurde dann häufig nach der täglichen Körperhygiene als Ersatz für unsere heutigen Bodylotions verwendet. Sie ist noch immer eine optimale Lösung für alle umweltbewussten Menschen, die Wert auf handgemachte und natürliche Kosmetik legen.

Herkunft, Gewinnung

Beerenwachs ist ein reines Pflanzenwachs, das aus der Fruchtschale des Lacksumachs (Rhus verniciflua) gewonnen wird. Dabei handelt es sich um einen laubabwerfenden und bis zu 20 Meter hohen Baum, der unter anderem in Korea, Indien, Japan sowie in einigen chinesischen Provinzen beheimatet ist. Im englischsprachigen Raum wird dieser Baum Lacquer Tree oder Varnish Tree genannt. Die Milch seines Stammes ist Hauptbestandteil des bekannten China- oder Japanlacks. Nach der Ernte werden die Früchte, die durchschnittlich 6 mal 6 Zentimeter groß sind, zunächst in speziellen Kesseln gekocht. Anschließend lässt sich das Rohwachs relativ einfach abschöpfen, bevor es dann möglichst sanft und schonend gefiltert wird.

Steckbrief Beerenwachs:

CAS-Nummer: 225234-38-8

INCI: Rhus Verniciflua Peel Cera

Funktion: Konsistenzgeber, Coemulgator

Handelsnamen: Kahlwax 6290 (Kahl & Co.KG)

Hauptbestandteile: 90% Glycerinester der C16-C18 Fettsäure

2-5% Glycerinester der C20-C22 Dicarbonsäure

5% freie Fettsäuren und Fettalkohole

 

Eigenschaften

Beerenwachs ist ein sehr leicht emulgierbares Wachs, das sich nicht nur für Öl-in-Wasser-Emulsionen hervorragend geeignet, sondern auch für Wasser-in-Öl-Verbindungen. Seine nicht klebenden Eigenschaften ermöglichen fast schon grenzenlose Einsatzbereiche. Für die Produktion von Lippenstiften und Lipgloss wird es besonders häufig verwendet, da die gelartige und klare Konsistenz durch das Aufschmelzen in Rizinusöl sehr gut zum Tragen kommt. Weitere Anwendungsbereiche sind aber auch die Haut- und Haarpflege, verschiedene Cremes und Emulsionen sowie die dekorative Kosmetik. Ob Handcreme oder Körperlotion: Produkte mit Beerenwachs sorgen für eine weiche und glatte Haut, geschmeidige Lippen und glänzendes Haar. So ist Beerenwachs beispielsweise in der Lage, die Haut mit einer unsichtbaren Schutzschicht zu überziehen, so dass sie insbesondere vor schädlichen Umwelteinflüssen gut geschützt ist. Im Winter kann ein hochwertiges Produkt mit Beerenwachs spröden und rissigen Lippen vorbeugen und trockenen Händen entgegenwirken.

Beerenwachs lässt sich absolut problemlos mit anderen Ölen kombinieren und trocknet auffallend hell. Es ist geruchlos und gilt gerade bei Veganern als hervorragende Alternative zu Bienenwachs. Wie viele andere Wachse auch, wird es in der Fettphase aufgeschmolzen.

Nach dem Auftragen auf die Haut oder auf die Lippen hinterlässt Beerenwachs keinen so deutlichen Film wie beispielsweise Bienenwachs, was von den meisten Menschen als sehr angenehm empfunden wird. Dennoch ist es extrem rückfettend und somit eine echte Wohltat für den Körper. Der Schmelzpunkt von Beerenwachs liegt bei rund 52 Grad Celsius und ist somit niedriger als beispielsweise bei Bienenwachs (60 bis 65 Grad Celsius).

Ein signifikanter Anteil ist schon bei 30°C geschmolzen und gibt daher ein schönes, aufschmelzendes Hautgefühl beim Verreiben. Beerenwachs zeigt praktisch keine Kristallinität und kann dennoch die Textur sehr positiv beeinflussen.

Es kann daher nicht in jedem Fall als Ersatz für Bienenwachs dienen: In einigen Fällen, wie beispielsweise bei der Produktion von Lippenstiften, muss der niedrigere Schmelzpunkt berücksichtigt und mithilfe von weiteren Wachsen ausgeglichen werden.

Reinheit

Hochwertiges Beerenwachs ist absolut natürlich und darf keine Zusatzstoffe enthalten. Seine Farbe ist gelblich bis weiß. Minderwertige Alternativen lassen sich leicht an der Zutatenliste erkennen: Hier sollten neben der Bezeichnung „Reines Pflanzenwachs“ keine weiteren Stoffe aufgeführt sein.

Hauptbestandteile sind in erster Linie Palmitin- und Stearinsäure, die sogenannte Japansäure (Heneicosandisäure), eine langkettige und spezifische C21-Fettsäure, sorgt darüber hinaus für den auffallend wachsartigen Charakter.

Einsatzkonzentration

Die Dosierung richtet sich immer nach dem jeweiligen Anwendungsgebiet. So sollte der Anteil an Beerenwachs in Öl-Wasser-Emulsionen nach Möglichkeit 1,0 Prozent nicht überschreiten, sofern noch weitere Konsistenzgeber wie beispielsweise Stearate oder Fettalkohole verwendet werden. Handelt es sich dagegen um eine Wasser-Öl-Emulsion, die einen hohen Lipidanteil besitzt, darf die Dosierung auch durchaus höher liegen. 5,00 Prozent sollten aber auch hier nicht überschritten werden. Um in Oleogelen eine möglichst angenehme und hautfreundliche Konsistenz zu erreichen, empfiehlt sich eine Konzentration von etwa 4,0 bis 5,0 Prozent.

 

Insgesamt gesehen ist reines Beerenwachs also ein unverzichtbarer Bestandteil in der traditionellen und modernen Kosmetik. Es lässt sich leicht und vielseitig verarbeiten, besitzt ausschließlich wertvolle Inhaltsstoffe und hat auf Haut, Haare und Lippen einen sehr positiven Einfluss.

 

Quellen:

„Natural Waxes-Properties, Compositions and Applications“, E. Endlein, K.-H. Peleikis, SOFW 04/2011

„Beerenstark! Natürliche Hautpflege mit Beerenwachs“, Martina Heldermann, COSSMA 1-2/2015

eigene Erfahrungen

 

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