Carnaubawachs, geschuppt

Carnaubawachs wird aus der Carnaubapalme (Copernicia cerifera Mart.) gewonnen, die vor allem im Norden Brasiliens beheimatet ist. Diese imposante Fächerpalme kann bis zu 15 Meter hoch werden. In der Trockenzeit bildet sie auf ihren bis zu zwei Meter langen Blättern Wachsschüppchen, die sie vor dem Vertrocknen schützen. Genau in diese Trockenzeit, jeweils von September bis März, fällt auch die Gewinnung des Wachses. Etwa alle zwei Monate werden sechs bis acht Palmblätter abgeschnitten. Durch den natürlichen Schrumpfprozess der Blätter lockern sich die Wachsschüppchen, die dann relativ leicht entweder abgestreift, abgebürstet oder abgeklopft werden können. Zum Teil kommen heutzutage aber auch verschiedene Maschinen zum Einsatz, die diese Arbeit übernehmen. Anschließend wird das Wachs zum Reinigen und Filtern in Wasser gekocht. Nach dem anschließenden Festwerden lässt es sich dann in beliebig große Stücke brechen. Die Gewinnung von Carnaubawachs ist also sehr umständlich und arbeitsintensiv, zumal auch der Ertrag relativ gering ausfällt. Eine einzige Palme produziert im Jahr nur etwa 150 bis maximal 180 Gramm Wachs, was eine durchschnittliche Ernte von gerade einmal fünf Gramm Wachs je 100 Gramm Blattmaterial bedeutet.

Steckbrief Carnaubawachs

INCI-Bezeichnung: Copernicia Cerifera (Carnauba) Wax

INCI-Funktion: geschmeidig machend, filmbildend

CAS-Nr.: 8015-86-9

EINECS/EILINCS-Nr.: 232-399-4

Verwendung von Carnaubawachs

Trotz der mühevollen Gewinnung wird Carnaubawachs noch immer sehr gerne in der Lebensmittel-, Kosmetik- und Pharmaindustrie verwendet. Ob zur Oberflächenbehandlung von Möbeln und Fußböden, für Autopolituren oder als Bestandteil von hochwertiger Schuhcreme, Carnaubawachs kann sehr vielseitig verwendet werden. Es hat einen gelblichen bis leicht grünlichen Farbton und ist beispielsweise als Lebensmittelzusatz bekannt: Hier hat es die Kennnummer E 903, die auf vielen Packungsbeschriftungen als Inhaltsstoff aufgeführt ist. Unter anderem wird Carnaubawachs auch als Überzugsmittel für Kaugummi oder Medikamente eingesetzt. Der große Vorteil dieses Rohstoffes: Carnaubawachs lässt Nahrungsmittel glänzend und frisch aussehen. Besonders eindrucksvoll macht sich diese Tatsache an Äpfeln und Zitrusfrüchten bemerkbar, die nach dem Polieren mit Carnaubawachs einfach herrlich knackig aussehen. Angst vor dem Verzehr muss niemand haben: Das Wachs wird vom Körper nicht aufgenommen, da es unverdaulich ist und sofort wieder komplett ausgeschieden wird. Es ist mittlerweile sogar für Bioprodukte zugelassen und gilt als unbedenklich. Einzige Voraussetzung: Das Carnaubawachs wurde auch tatsächlich aus der gleichnamigen Palme gewonnen und nicht etwas durch Gentechnik hergestellt. Duftstoffe sind in Carnaubawachs nicht enthalten, so dass es auch unter Umständen für Allergiker geeignet ist. Doch auch für die Kosmetikbranche hat das Wachs eine hohe Bedeutung. Es ist ein wichtiger Konsistenzgeber und kann in der pflegenden Kosmetik problemlos das klassische Bienenwachs ersetzen. So sorgt es beispielsweise bei Lippenpflegeprodukten dafür, dass die Stifte auch bei höheren Temperaturen ihre Form und Geschmeidigkeit behalten und nicht etwa schmelzen. Und auch für Haarspülungen, verschiedene Emulsionen und Mascara wird es gerne und häufig verwendet. Carnaubawachs besteht in erster Linie aus gesättigten Fettsäuren wie etwa Cerotinsäuremyricylester, Karnaubasäure und Cerotinsäure. Unter allen pflanzlichen Wachsen ist es das härteste Wachs, der Schmelzpunkt liegt bei 82 bis 86 Grad Celsius. Es wirkt wasserabweisend und bildet einen leichten, aber keineswegs unangenehmen Film.

Historisches zum Carnaubawachs

Carnaubawachs wurde übrigens schon vor rund 300 Jahren geschätzt und geliebt. Die brasilianischen Tremebè-Indianer kannten die positiven Eigenschaften des Wachses sehr genau und nannten die Palme sogar passenderweise „Baum der Weisheit“. Doch erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann die kommerzielle Vermarktung des Rohstoffes. Einer Initiative des Engländers James Frederick Clark war es im Jahre 1824 zu verdanken, dass die erste Wachsladung nach Europa verschifft werden konnte. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges spielte der Export von Carnaubawachs auf den europäischen Kontinent für viele brasilianische Regionen eine immens wichtige wirtschaftliche Rolle. Später wurden dann synthetische Ersatzstoffe auf Erdölbasis entwickelt, die dazu führten, dass dieser für das Land extrem bedeutende Wirtschaftssektor leicht zusammenbrach. Kenner und Experten sind jedoch nach wie vor von der herausragenden Qualität von Carnaubawachs überzeugt. Es ist noch immer ein regelrechter Exportschlager, der in der ganzen Welt anerkannt ist. Dass die Verwendung ökologisch bedenklich wäre, muss jedoch niemand befürchten. Die Palmen gelten als sehr robust und resistent gegenüber Umwelteinflüssen. Da die abgeernteten Blätter zudem ständig nachwachsen, erleiden die Palmen durch die Ernte keinen Schaden. Es handelt sich hier also um eine nachhaltige und ökologisch sehr verträgliche Grundstoffnutzung, die eine stetige Gewinnung von Carnaubawachs garantiert.

Zusammenfassung

Carnaubawachs ist zusammengefasst also ein überaus wertvoller Rohstoff, der in der Kosmetik umschätzbare Dienste leistet, weil er Pflegeprodukten eine optimale Konsistenz verleiht. Lippen- und auch Kajalstifte, die mit diesem Wachs hergestellt wurden, sind daher auch für hochsommerliche Temperaturen oder einen Urlaub am Strand geeignet. Darüber hinaus schützt Carnaubawachs die Haut, indem es einen leichten Film bildet, und sorgt gleichzeitig für Geschmeidigkeit und Glätte.

 

Quellen:

  • „Natural Waxes-Properties, Compositions and Applications“, E. Endlein, K.-H. Peleikis, SOFW 04/2011
  • eigene Erfahrungen

 

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