Candelillawachs, geschuppt

Jahrtausende alte Wachsgewinnung

Das Candelillawachs stammt aus den heißen, halbwüstenartigen Gegenden von Südkalifornien, Südtexas und Nordmexiko. Die Candelillapflanze hat im Kampf gegen die Sonne und Austrocknung eine ganz besondere Strategie entwickelt: Sie überzieht ihre Äste und Blätter mit einer harten Wachsschicht, die sie gegen die ausdörrenden Strahlen und gegen Verdunstung schützt. Die vielseitige Nützlichkeit des Candelillawachses haben die Menschen früh erkannt. Wie in Urzeiten werden noch heute die ausgereiftesten Gräser mit der höchsten Wachsausbeute abgetrennt und ausgekocht. Das Wachs verflüssigt sich und kann von der Oberfläche abgeschöpft werden. Eine andere Methode wendet eine Art Dampfgarung der Gräser an: Hierbei wird das mit dem Kondenswasser herabtropfende Wachs aufgefangen. Anschließend kann das Candelillawachs unter Zusatz von Schwefelsäure in kochendem Wasser gereinigt und gebleicht werden. Die Candelillapflanze steht auf der CITES-Liste der geschützten Arten. Für die artgerechte Wachsernte wird ein CITES-Zertifikat ausgestellt.

Das Zauberwachs

Die Candelillawachs-Nutzung ist fast so alt wie der zivilisierte Mensch. Archäologen haben an der mexikanisch-texanischen Grenze Felsmalereien entdeckt, deren Farben aus einem Gemisch von mineralischen Pigmenten und Candelillawachs bestehen. Die gewerblich-industrielle Nutzung von Pflanzenplantagen datiert aus dem Jahr 1913. Vor der Entdeckung synthetischer Äquivalente war der Verbrauch an Candelillawachs im 20. Jahrhundert gewaltig. Um das Jahr 1950 herum lag er allein in den Vereinigten Staaten bei 2,5 Tonnen. Die Bezeichnung Candelilla stammt aus dem Spanischen. Sie bedeutet kleine Kerze und beschreibt die Form der kahlen, wachsüberzogenen Pflanzenäste.

Eigenschaften

Der INCI-Name der Candelilla ist Euphorbia cerifera. Die nützliche Pflanze gehört zu den Euphorbiaceae, den Wolfsmilchgewächsen – sie sind nach Euphorbus benannt, einem mauretanischen Arzt, der als erster die Heilwirkung der Wolfsmilch erkannt haben soll. Viele Jahrhunderte hindurch war die Candelillapflanze Euphorbia antisyphillitica eine Volksmedizin gegen jene Geschlechtskrankheit, die sie in ihrem lateinischen Namen führt. Candelillawachs ist von feinkristalliner Struktur, riecht im erwärmten Zustand nach Benzoeharz und wirkt bei geringer Materialstärke transluzent. Seine Haptik ist glatt und hart. Auffällig ist der hohe Schmelzpunkt des Wachses, der bei 67 bis 71 Grad Celsius liegt. Candelillawachs wird in den Bereichen der Lebensmittelverarbeitung, der Industrie und der Kosmetik nutzbar gemacht. Als Lebensmittelzusatz trägt das Wachs den Zusatz E 902 (FDA 21 CFR, GRAS 184.1976). Es gilt als gesundheitlich unbedenklich und darf ohne Einschränkung verzehrt werden. Candelillawachs dient als hervorragendes Trenn- und Überzugsmittel für Schokolade, Nüsse, Kaffeebohnen und vieles andere. Gewachste Früchte schützt es vor Feuchtigkeitsverlust. Es sorgt in Backwaren für die richtige Bräune und in Kaugummi für die perfekte Konsistenz. Candelillawachs ist in Schuhputzmittel und Möbelpolitur zu finden, in Radiergummis, in Kerzen, in Schreibtinte – die Liste aller Dinge, in denen das Wachs vor Verkleben und Feuchtigkeit schützt sowie die Konsistenz verbessert, findet kaum ein Ende. Auf dem Gebiet der Kosmetik ist das Pflanzenprodukt ebenfalls nicht wegzudenken. Das Wachs mit der CAS-Nummer 8006-44-8 fällt als cremeartige Masse aus, wenn es in heißem Alkohol gelöst und anschließend gekühlt wird. Ebenso wie als Lebensmittelzusatz hat Candelillawachs auch in der Kosmetikherstellung Unbedenklichkeitsstatus. Es ist härter als Bienenwachs, aber weicher als Carnaubawachs. Es wird vor allen Dingen als Konsistenzgeber für viele Produkte genutzt. Kosmetika, die Candelillawachs enthält, lassen sich besser auftragen und liegen sehr angenehm auf der Haut. Besonders in Cremes und Emulsionen, die der Hand- und Fußpflege dienen, ist das Wachs enthalten. Auch Lippen- und Pflegestifte profitieren von seinen Eigenschaften.

 

Steckbrief Candelillawachs:

CAS-Nummer: 8006-44-8

INCI: Euphorbia Cerifera (Candelilla) Wax

Funktion: Konsistenzgeber, Coemulgator

Handelsnamen: Kahlwax 2039/2039L (Kahl & Co.KG)

Candellila Wax (KosterKeunen)

Hauptbestandteile: ca. 50% langkettigen Kohlenwasserstoffen (C29-C33), Ester, freien Fettsäuren und Fettalkoholen, Sitosterole sowie Harze

Tradition und Moderne

Candelillawachs begleitet den Menschen durch seine ganze Geschichte hindurch als Heil-, Nutz- und Kosmetikpflanze. Der Strauch und seine Wirkstoffe werden so verehrt, dass in dem mexikanischen Dorf Higueras seit uralten Zeiten ein Fest zu Ehren der Candelilla gefeiert wird. Ein Brandopfer aus vom Bischof geweihten Candelillasträuchern verbindet auf kuriose Weise heidnische und christliche Traditionen. Die nach altüberbrachten Verfahren abgeschöpften Wachse stehen als Naturprodukt an der Spitze der Nachhaltigkeitsbewegung sowohl in der Lebensmittel- wie in der Kosmetikindustrie.

Kaum ein Zusatzstoff stabilisiert besser Wasser-in-Öl-Emulsionen und bildet einen verträglicheren, angenehmeren Film auf der Haut. Das Pflanzenprodukt überbietet in puncto Haltbarmachung von Eyelinern, Mascaras und Lippenstiften jeden synthetischen Zusatz. Damit ist das Candelillawachs einer der universellen Pflanzenstoffe der Kosmetik.

 

Quellen:

  • „Natural Waxes-Properties, Compositions and Applications“, E. Endlein, K.-H. Peleikis, SOFW 04/2011
  • eigene Erfahrungen

 

 

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