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Palm Öl hat ein eher schlechtes Ansehen. Obwohl nur ein kleiner Teil der weltweiten Produktion in der Kosmetik verwendet wird, versuchen die Kosmetikhersteller, ganz auf diesen Rohstoff zu verzichten. Durch mehr Nachhaltigkeit könnte Palm Öl ein positiveres Image bekommen.

Von Kosmetikherstellern ist immer häufiger die Aussage zu hören „Kein Palm Öl in unseren Cremes und Lotionen“. Sie reagieren damit auf Meldungen, Palm Öl wäre „ungesund“, oder auf das Drängen des Marketings, das „Palmöl-freie“ Produkte ausloben möchte. Experten sind sich allerdings einig, dass das Problem nicht dadurch gelöst werden kann, dass andere Öle eingesetzt werden, für deren Anbau viel Land verbraucht wird, Wälder abgeholzt und Lebensräume zerstört werden.

 

Was ist Palm Öl?

Palm Öl wird aus der Ölpalme (Elaeis guineensis) gewonnen. Die verwendete Spezies wächst besonders gut in äquatorialen Klimazonen. Zurzeit stammen ca. 90% des weltweit erzeugten Palmöls aus Südostasien, wobei Malaysia und Indonesien die größten Anbauer und Exporteure sind. Weltweit werden jährlich schätzungsweise 75 Millionen Tonnen produziert.

Palm Öl ist ein sehr vielseitiges Pflanzenöl, mit einem hohen Gehalt an ungesättigten Fettsäuren. Es wird in der Lebensmittelindustrie als Ersatz für unerwünschte Transfette verwendet. Es dient als Grundstoff für Autokraftstoffe („Biobenzin“). In der Oleochemie wird es als Ausgangsstoff für zahlreiche Chemikalien eingesetzt.

Bei der Palmölproduktion wird zwischen Palm Öl und Palmkernöl unterschieden. Sie werden aus dem Fruchtfleisch bzw. den Kernen hergestellt und unterscheiden sich durch die Fettsäureanteile und folglich in ihrer Verwendung. Der in der Kosmetik verwendete Rohstoff stammt meist aus dem Palmkernöl (PKO). Diese enthält ≈50% Laurinsäure und bietet sich somit für den Einsatz in Tensiden an. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Kosmetikindustrie wenig Rohpalmöl oder raffiniertes Palm Öl als solches verwendet, aber vielfach Palmölderivate in den Produkten einsetzt. Insgesamt verbraucht sie weniger als 1% der gesamten Palmöl-Jahresproduktion (ca. 700.000 Tonnen/Jahr).

 

Warum ist Palm Öl problematisch?

Abbildung 1 zeigt das Spektrum der oleochemischen Derivate, die aus Palm Öl gewonnen werden können und die vielfach in kosmetischen Produkten verwendet werden. Diese Substanzen bilden den Basisrahmen für Cremes, Lotionen, Shampoos, Conditioner, Lippenstifte, Gels und Schaumprodukte. Warum werden die Lieferanten solcher Formulierungen mit der vereinfachenden, automatischen Reaktion gleich im ersten Satz dieses Artikels konfrontiert? Und was muss unternommen werden, um dem Trend der „Palm Öl-frei“-Werbung, die keine zu rechtfertigende Grundlage hat, zu begegnen?

 

Die exponentielle Zunahme des Palmölanbaus hilft den steigenden Bedarf an Lebensmitteln, Tierfutter, Brennstoff und Fasern zu decken. Die Palmölindustrie gibt schätzungsweise mehr als sieben Millionen Menschen Arbeit und Einkommen für ihre Familien und ist ein bedeutsamer Wirtschaftsfaktor in den Anbauländern.

Die Palmölindustrie mit ihren riesigen Monokulturplantagen wächst vor allem in Indonesien und Malaysia. Kritiker, ob zu Recht oder nicht, verbinden die Palmölerzeugung mit der Zerstörung des tropischen Regenwaldes, der Umwandlung von Moorland in Ölpalmplantagen, Klimawandel, Verlust der Biodiversität, Zerstörung von Lebensräumen für Wildtiere, der illegalen Aneignung von Land der Ureinwohner, Zwangsarbeit, Kinderarbeit und gesundheitsgefährdenden Auswirkungen. Die Medien haben die schnellen und radikalen Entwicklungen in den letzten 20 Jahren wahrgenommen und in die Öffentlichkeit gebracht. Die Kosmetikindustrie ist eine beliebte Zielscheibe für negative Kritik und wurde als eine der ersten Branchen aufgefordert, die Verwendung von Palm Öl einzustellen. Daraus resultiert eine der dringlichsten Forderungen an die Palmölindustrie: Sie muss ihre Verpflichtung zu einer nachhaltigen Entwicklung unter Beweis stellen.

 

Zertifiziert nachhaltiges Palm Öl (CSPO):

Als Reaktion auf die öffentliche Anprangerung der vorher beschriebenen Zustände gründete die chemische Industrie im Jahr 2004 den Runden Tisch für nachhaltiges Palm Öl:

Round table for Sustainable Palm Oil (RSPO). Alle, die den Rohstoff in größerer Menge nutzen, sind als freiwillige Mitglieder vertreten. Im Mittelpunkt der Initiative steht die Nachhaltigkeit. Der RSPO hat Regeln festgelegt, die die unkontrollierte Abholzung, das Abbrennen von Moorland und die illegale Landnutzung durch Kleinbauern verhindern und schließlich ganz stoppen sollen. Die Regeln des RSPO motivieren die Abnehmer von Palm Öl, nur zertifiziertes Palm Öl /CSPO zu kaufen und üben somit Druck auf die Produzenten aus, das Öl nachhaltig zu erzeugen. Die Einhaltung der RSPO-Regeln ist freiwillig; der kommerzielle Druck entsteht durch die Käufer. Die malaysische Regierung setzte Rahmenbedingungen für ein Zertifikat für nachhaltiges malaysisches Palm Öl (MSPO / Malaysian Sustainable Palm Oil Certificate) auf, die für die malaysischen Produzenten verpflichtend geworden sind.

 

Drei Ebenen der Zertifizierung

Das Massenbilanzverfahren/ Mass Balance Procedure ist zurzeit das verbreitetste Verfahren, zum Ärger vieler Palmölproduzenten (Kleinbauern) und der NGOs. Das Verfahren setzt voraus, dass der Käufer von zertifiziertem Palm Öl eine bestimmte Menge (z.B. 100 Tonnen) von CSPO (von einer unabhängigen dritten Partei geprüftes Öl) kauft, das in den komplexen Kreislauf der Sammlung und des Vertriebs des Palmöls einfließt und mit nicht-CSPO gemischt wird; der Käufer erhält ein Öl, das nicht aufgeschlüsselte Mengen von CSPO und nicht-CSPO enthält. Es ist lediglich garantiert, dass 100 Tonnen gemäß CSPO-Regeln erzeugt wurden und in den allgemeinen Produktionsweg aufgenommen wurden.

Ein präziseres, aber komplexeres und teureres Verfahren gibt die Abtrennung und Mischung von CSPO aus verschiedenen Quellen vor. IP (Identity Preserved / bewahrte Identität) CSPO ist der höchste Grad der Zertifizierung und garantiert dem Käufer, zertifiziertes Öl von der spezifischen, angegebenen Quelle zu erhalten.

Alle Beteiligten sind sich einig, dass nur durch eine weltweit wirklich nachhaltige Palmölindustrie die Zukunft der Umwelt und der Lebensunterhalt der Menschen, die von der Palmölerzeugung leben, gesichert werden können.

 

Warum Palm Öl?

Wenn Palm Öl für die Umwelt tatsächlich so zerstörerisch ist, wie es von den Medien dargestellt wird, warum sollte es dann nicht durch andere pflanzliche Öle ersetzt werden?
Die Antwort ist einfach: Die Ölpalme ist die ertragreichste Ölpflanze. Pro Hektar Land liefert sie durchschnittlich 6000 Liter Öl. Diese Effizienz führte dazu, dass die Produktion von Palm Öl seit 1990 vervierfacht wurde und es zum weltweit am meisten produzierten Öl wurde, das 30% der globalen Nachfrage deckt. Das am zweithäufigsten produzierte Pflanzenöl, das Sojaöl, bedient 29% der Nachfrage, ist aber weniger ergiebig. Kokosnussöl hat den zweitbesten Ertrag, ist aber in seiner Zusammensetzung weniger günstig, da es zu über 80% aus gesättigten Fetten besteht. Außerdem braucht es in den tropischen Klimazonen zweimal so viel Land, um die Ölmenge wie CSPO zu liefern. Rapsöl benötigt fünfmal und Sonnenblumenöl siebenmal so viel Land wie Palm Öl. Der Ersatz von Palm Öl durch anderes Pflanzenöl würde mehr Anbauflächen erfordern. Hinzu kommt, dass viele andere Pflanzenöle eine deutlich andere, weniger optimale Zusammensetzung als Palm Öl haben.

Auch wenn die Kosmetikindustrie nur weniger als ein Prozent des Palmöls nutzt und das auch nur indirekt in Form von Palmölderivaten, hat sie die Wahl. Sie sollte sicherstellen, dass alle ihre Produkte ausschließlich zertifiziert nachhaltiges Palm Öl (CPSO) enthalten.
Der Druck von der Kosmetikindustrie wird oft zur Chemieindustrie, sprich, den Lieferanten der Palmölderivate, geschoben. Wie der RSPO Jahresbericht und die Prüfzertifikate seitens Dritter zeigen, erhalten die Kosmetikbestandteile aus Palm Öl, die den Herstellern von Verbraucherprodukten geliefert werden, die höchste Garantie für ihre CSPO-Basis. Die Kosmetikindustrie und ihre Rohstofflieferanten sind den Richtlinien in besonderer Weise verpflichtet, wie ihre Mitteilungen deutlich machen.

Der beste Weg, die Produzenten zur nachhaltigen Palmölerzeugung zu motivieren, ist die Stärkung einer ausschließlichen Nachfrage von CSPO. Das Mass Balance-Verfahren ist ein erster Schritt, die Erzeuger zur Nachhaltigkeit zu bewegen. Inhaltsstoffe auf der Basis von CSPO sind ein Hebel für die Kosmetikindustrie, mit dem sie die Erwartungen der Verbraucher erfüllen und Rückverfolgbarkeit aufbauen kann.

 

Malaysia an der Spitze

Hinsichtlich der großen Bedeutung, die Palm Öl für die Wirtschaft des Landes hat, hat die malaysische Regierung Maßnahmen ergriffen, um die Nachhaltigkeit der Palmölerzeugung glaubwürdig und effizient umzusetzen. 2008 war Malaysia das erste Land, das nachhaltiges Palm Öl produzierte und exportierte.

Gegenwärtig geht die Bemühung, angeführt von der malaysischen Palmölbehörde (Malaysian Palm Oil Board / MPOB) und dem malaysischen Palm Öl-Zertifizierungsrat (Malaysian Palm Oil Certification Council / MPOCC), dahin, dass die malaysische Palmölproduktion (≈ 20 Millionen Tonnen) bis 2020 zu 100% zertifiziert nachhaltig ist. Die MPOB hat einen eigenen Bezugsrahmen für Nachhaltigkeit definiert, der über das internationale RSPO Konzept hinausgeht. Das MSPO-Zertifikat sieht vorschriftsmäßige, statt freiwillige, Maßnahmen vor, z.B. den Entzug von Lizenzen für Anbauer und Mühlen, die sich nicht an die Regeln des MSPO-Zertifikats halten. 2018 wurden 1.91 Millionen MT malaysisches Palm Öl in die EU exportiert – in der gesamten Menge zertifiziert nachhaltiges Palm Öl CSPO und ISCC-zertifiziertes Öl (International Sustainability and Carbon Certification – certification for biofuel / Internationale Nachhaltigkeits- und Kohlenstoff-Zertifizierung – Zertifizierung für Biokraftstoff).

Palm Öl ist ein bedeutungsvoller Rohstoff und bietet gegenüber anderen Pflanzenölen viele Vorteile – einschließlich einiger Vorteile für die Umwelt. Wir setzten für unsere Kunden, den Einsatz von zertifizierten Palmöl und die darauf basierten Rohstoffe 100% um.

Fragen Sie uns gerne nach Kosmetika, basierend auf MB- und SG-Qualitäten.

 

Quellen:

  1. https://www.rspo.org/about/our-organisation
  2. Cossma 06/2020 “Palm Oil: Good or Bad?”; Seite 22-24