Nitrat - Nitrit - Triethanolamin

Nitrat, Nitrit und Nitrosamine sind zwar im Hinblick auf ihre Wirkungsweise im menschlichen Organismus recht unterschiedlich, trotzdem besteht zwischen den drei Stoffen eine enge Verbindung. Schließlich ist Nitrat eine Vorstufe von Nitrit, und das kann im Körper wiederum in Nitrosamine verwandelt. Grundsätzlich sind Nitrat, Nitrit und Nitrosamine Verbindungen, die aus den Elementen Stickstoff und Sauerstoff bestehen. Für Pflanzen ist Stickstoff unverzichtbar, denn nur so können sie ausreichend Eiweißstoffe aufbauen. Normalerweise nehmen sie ihn als Nitrat aus dem Boden auf. Doch durch die oft sehr starke Düngung befindet sich mittlerweile viel zu viel Nitrat im Boden, im Grundwasser und dadurch letztendlich auch in verschiedenen Lebensmitteln, wobei Gemüse besonders betroffen ist. Über das Grundwasser, die Nahrung und mittlerweile auch über Kosmetika nimmt der Mensch dieses Nitrat auf, das im Organismus in andere Verbindungen umgewandelt wird: in Nitrit und in Nitrosamine. Allerdings wirken sich diese negativ auf unsere Gesundheit aus.

 

Was ist Nitrat?

Nitrat ist ein Stoff, der in unseren Böden natürlicherweise vorkommt. Für das Wachstum von Pflanzen ist er essenziell. Um die Erträge zu steigern, wird den Böden Nitrat jedoch zusätzlich in großen Mengen zugeführt. Das können organische Düngemittel wie Jauche, Gülle oder Mist sein, aber auch Mineraldüngung.

Prinzipiell ist Nitrat erst einmal nicht giftig. Da der Stoff jedoch eine Vorstufe für Nitrit ist, gilt der Stoff dennoch als bedenklich.

 

Was ist Nitrit?

In Lebensmitteln, teilweise aber auch erst im menschlichen Körper durch enzymatische Umwandlung oder bei der Verdauung durch Bakterien, kann aus dem eigentlich harmlosen Nitrat Nitrit gebildet werden. Nitrit reagiert mit dem menschlichen Blutfarbstoff Hämoglobin und oxidiert das im Farbstoff enthaltene Eisen. Das Blut kann keinen Sauerstoff mehr transportierten und durch das Nitrit tritt eine Blausucht auf, die eine gefährliche Sauerstoffunterversorgung mit Atemnot mit sich ziehen kann. Das Blut von Säuglingen und Kleinkindern ist besonders anfällig und somit auch in besonderem Maße gefährdet. Aus diesem Grund sollten Säuglingsnahrung und Trinkwasser für Babys besonders nitritarm sein. Doch auch für Erwachsene ist der Stoff höchst bedenklich: Nitrit gilt als giftig und ist maßgeblich an der Bildung von krebserregenden Nitrosaminen beteiligt.

 

Was sind Nitrosamine?

Im Verdauungstrakt können durch die Verbindung von Nitrit und Aminen die sogenannten N-Nitroso-Verbindungen gebildet werden, zu denen Nitrosamine gehören. Nitrosamine sind in hohem Maße krebserregende Stoffe. Das Gesundheitsrisiko betrifft generell alle Altersgruppen gleichermaßen. Als wahrscheinlichster Entstehungsort für Nitrosamine gilt der menschliche Magen, da die chemischen Bedingungen für die Umwandlung hier optimal sind. In einigen Lebensmitteln, wie beispielsweise in Bier, verschiedenen Fischprodukten, in gepökelten Fleischprodukten sowie im Käse, kommt der Stoff aber auch direkt vor.

 

Nitrat, Nitrit und Nitrosamine in der Kosmetik

Nitrosamine sind als Kontaminanten nicht nur in Lebensmitteln bekannt, sondern auch in kosmetischen Mitteln. Entsprechende Beanstandungen und Kontrollen durch die Untersuchungseinrichtungen der amtlichen Lebensmittel- und Kosmetiküberwachung haben bereits gezeigt, dass bei Kosmetikprodukten vor allem die Verbindung N-Nitrosodiethanolamin von Bedeutung ist. N-Nitrosodiethanolamin ist ein Stoff, der beim Menschen vermutlich Krebs auslösen kann und Veränderungen am genetischen Material hervorruft, also genotoxisch ist. Er wurde als kanzerogen der Kategorie 1B eingestuft. Das Vorhandensein solcher Stoffe in Kosmetikprodukten wird allerdings nur in Spuren toleriert und nur, wenn diese unter Beachtung sämtlicher Anforderungen an die Herstellungspraxis vollkommen unvermeidlich sind. Die Sicherheit der Produkte für die menschliche Gesundheit darf dabei auf keinen Fall infrage stehen. Für eine ganze Reihe von kosmetischen Rohstoffen wurden beispielsweise im Anhang III der EU-KosmetikVO Höchstwerte für Nitrosamine von 50 Mikrogramm pro Kilogramm festgelegt. Außerdem dürfen Stoffe, die nitrosierbar sind, nicht zusammen mit nitrosierenden Substanzen eingesetzt werden. Beispiel: Triethanolamin, das in vielen Kosmetikprodukten als Neutralisierungsmittel oder zur Stabilisierung des pH-Wertes eingesetzt wird und kleine Mengen von Diethanolamin enthalten kann, darf nicht zusammen mit bestimmten Konservierungsstoffen verwendet werden, die Nitrogruppen enthalten. Solche Stoffe können unter anderem Bronopol und Bronidox sein.

Aufgrund umfassender Erfahrungen in den amtlichen Untersuchungseinrichtungen wird inzwischen davon ausgegangen, dass für die Mehrheit der Kosmetikprodukte N-Nitrosodiethanolamin-Gehalte über 10 Mikrogramm pro Kilogramm als technisch durchaus vermeidbar angesehen werden können. Für Nagellacke wird ein Wert von 20 Mikrogramm pro Kilogramm als realistisch angesehen, für Mascaras, also Wimperntuschen, schlägt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit einen Wert von 15 Mikrogramm pro Kilogramm vor. Da wir Menschen aber im Alltag gleich einer ganzen Reihe von Nitrosamin-Quellen ausgesetzt sind, raten Mediziner dringend dazu, die Aufnahme und den Konsum entsprechender Produkte weitestgehend einzuschränken oder ganz zu vermeiden. Verbraucher sollten sich die Inhaltsstoffe der Produkte genau durchlesen und beispielsweise Mascara mit Triethanolamin besser liegen lassen.

Übrigens: Als genotoxisches Kanzerogen existiert für N-Nitrosodiethanolamin bislang kein Grenzwert, ab dem ein Risiko für eine Krebserkrankung vollkommen ausgeschlossen werden kann. Es gilt vielmehr das Minimierungs- oder ALARA-Prinzip: Eine mögliche Belastung der Verbraucher ist grundsätzlich so gering zu halten, wie sich dies mit vernünftigen Mitteln erreichen lässt. ALARA ist die Abkürzung für „as low as reasonably achievable“, was sich mit „so niedrig wie sinnvollerweise erreichbar“ übersetzen lässt.

 

Die Vermeidung von Nitrosaminen in Kosmetik

Die meisten Nitrosamine zeigten sich in Tierversuchen karzinogen. Die Konzentration der Verbindungen in kosmetischen Produkten ist aber heutzutage relativ niedrig und stellt alleine für sich keine gesundheitliche Gefährdung dar. Verantwortungsbewusste Hersteller setzen erfreulicherweise alles daran, die schädlichen Stoffe bei der Produktion zu vermeiden. Bei der Ermittlung von N-Nitroso-Verbindungen ist ein bestimmtes Verfahren hilfreich, das unter dem Namen „Apparent Total Nitrosamine Content Assays“ bekannt ist. Die Screening-Methode erfordert besondere Vorrichtungen, die recht arbeitsintensiv sind, sie ist generell aber relativ unkompliziert und lässt sich praktisch in jedem guten Analyselabor für Qualitätskontrolle durchführen. Die Ergebnisse, die mit diesem Verfahren gewonnen werden, müssen anschließend sorgfältig interpretiert und ausgewertet werden. So deutet ein positives Ergebnis auf eine mögliche Quelle für Nitrosaminbelastung hin, jedoch ist dabei die erwartete Haltbarkeit des Kosmetikproduktes sowie das Potenzial der Werte, mit der Zeit anzusteigen, zu berücksichtigen. Positive Werte müssen zudem weiter untersucht und auf spezifische Nitrosamine analysiert werden, da das Verfahren für falsche positive Ergebnisse leicht anfällig ist. Bis ein zuverlässigeres Standardverfahren zur Verfügung steht, besteht die Möglichkeit, auf verschiedene Methoden zur Bestimmung von einzelnen Nitrosaminen zurückzugreifen. Diese Bestimmung sowohl in kosmetischen Produkten als auch in Rohstoffen erfordert jedoch ein exzellentes und sehr fundiertes Fachwissen. Nur in einem hochmodernen Labor mit erfahrenen Fachkräften ist es möglich, solche Methoden sicher und zuverlässig anzuwenden. Um tatsächlich zu gewährleisten, dass die schädlichen Nitrosamine in Kosmetikprodukten so niedrig wie möglich gehalten werden, empfiehlt sich folgende Strategie:

1)         Die Eliminierung von zufälligen Stickoxid- und Nitritquellen

2)         Die Verringerung beziehungsweise Eliminierung von sekundären Aminoverbindungen

3)         Der grundsätzliche Einsatz von Rohstoffen, die völlig frei von einer Nitrosaminbelastung sind

4)         Als zusätzliche Vorsichtsmaßnahme bietet sich in der Produktrezeptur der Einsatz eines Inhibitors der Nitrosaminbildung an.

 

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Amine sollten in der Kosmetik, wenn überhaupt, nur in sehr geringen Mengen eingesetzt werden. Cosmacon hilft Ihnen dabei, entsprechende Rezepturen zu überarbeiten. Wir setzen auf die bekannten Basen Kalium- und Natriumhydroxid. Aber auch die Aminosäuren Arginin und Lysin sind sehr gut geeignet, wenn es die preislichen Grenzen nicht zu eng gesteckt sind.