Hautmikrobiom, Mikrofilm, Staph. aureus, Staph. epidermis

Die Begriffe Mikrobiota und Mikrobiom beschreiben im engeren Sinne die Gesamtheit sämtlicher Mikroorganismen, die ein Lebewesen besiedeln. Beim Menschen besteht das Mikrobiota aus Bakterien und Pilzen.

 

Wenn ein Fötus im Uterus heranwächst, ist er noch weitestgehend frei von Mikroorganismen. Das ändert sich jedoch schon bei der Geburt, wenn das Neugeborene mit der Mikroflora seiner Mutter in Kontakt kommt. Zunächst werden nur der Mund- und Rachenraum des Babys besiedelt, doch schon nach einem Tag haben sich die Mikroorganismen im gesamten Darmtrakt ausgebreitet. Der Dickdarm ist der mit Abstand am dichtesten besiedelte Körperbereich: In jedem Gramm Stuhl befinden sich etwa 1000 Keime! Ebenfalls dicht besiedelt sind die Haut („Hautflora“), die Nasenhöhle, die Mundhöhle, die Scheide und die Paukenhöhlen. Das Mikrobiota ist jedoch keineswegs schlecht, ganz im Gegenteil. Forscher sahen die Mikroben zwar lange Zeit generell als pathogene Eindringlinge an, mittlerweile ist jedoch bekannt, dass der Mensch mit den Mikroorganismen eine faszinierende symbiotische Gemeinschaft bildet. Wir Menschen brauchen das Mikrobiota, denn es ist prinzipiell förderlich für unsere Gesundheit. Allerdings nur dann, wenn das empfindliche Gleichgewicht des Mikrobiota nicht gestört wird.

 

Mikroorganismen auf unserer Haut

Rund 90 Prozent aller Mikroorganismen verhalten sich gesunder Haut gegenüber neutral. Etwa fünf Prozent gelten als unerwünscht, denn sie wirken tatsächlich pathogen. Die restlichen fünf Prozent sind dagegen absolut nützlich und haben einen positiven Effekt auf unsere Gesundheit. Wird diese Zusammensetzung gestört, weil bestimmte Mikroorganismen die Überhand gewinnen, kann sich dies sehr negativ auf unsere Haut auswirken. Meist entstehen dann Ekzeme, Unreinheiten, Pickelchen und andere entzündliche Veränderungen. Das hat auch einen ganz einfachen Grund. Die ungefähr 10.000 verschiedenen Mikroben-Arten haben sich nämlich auf verschiedene Körperregionen spezialisiert. In überwiegend bedeckten Körperregionen wie den Achselhöhlen, den Zehen oder in der Leistengegend fühlen sich feuchtigkeits- und wärmeliebende Mikroorganismen am wohlsten. In besonders talgreichen Regionen wie beispielsweise auf der Nase, der Stirn und in der Nasolabialfalte siedeln sich dagegen vor allem lipophile Bakterien an. Die wiederum zersetzen das Sebum und schaffen auf diese Weise ein Milieu, das vor unerwünschten und schädlichen Keimen schützt. Das funktioniert aber nur, wenn das Mikrobiota intakt und im Gleichgewicht ist. Bei chronischen und/oder entzündlichen Hauterkrankungen ist dies meist nicht der Fall. Hier ist die Hautbarriere oft schon so gestört, dass eine selbstständige Regeneration nicht mehr möglich ist.

 

Das Mikrobiota unserer Haut

Dass unsere Haut eine chemische, immunologische und physikalische Barrierefunktion besitzt, weiß die Wissenschaft schon länger. Neueren Studien zufolge gibt es jedoch eine weitere Barrierefunktion, die von dem Mikrobiota übernommen wird. Dieses bildet nämlich eine höchst effektive mikrobielle Barriere, das heißt, schädliche äußere Einflüsse gelangen nicht direkt in die Haut, sondern sie stoßen auf eine sehr lebendige und aktive Mikrobenschicht. Diese interagiert mit den schädlichen Einflüssen, indem sie sich mit den Chemikalien, „fremden“ Mikroorganismen oder kritischen Substanzen auseinandersetzt. Und nicht nur das: Das vorhandene Mikrobiota verhindert auch die Ausbreitung der neu ankommenden Mikroorganismen, da es bereits alle verfügbaren Bereiche und Nischen besetzt. Medikamente wie Antibiotika und Kortison können das Zusammenspiel des Mikrobiota übrigens ebenfalls empfindlich stören! Wer auf solche und ähnliche Medikamente angewiesen ist, sollte also auf jeden Fall auf eine mikrobiom-freundliche Hautpflege achten!

 

Die wichtige mikrobielle Schutzbarriere wird jedoch unter dem Wasserhahn oder unter der Dusche oft einfach „weggespült“. In vielen Seifen, Duschgelen und sogar in bioziden Deodorants sind nämlich Unmengen an Tensiden, Alkoholen und Emulgatoren enthalten. Sie schädigen oder zerstören das Mikrobiota, und das nicht selten mit fatalen Folgen. Die Lücken, die in dem Mikrobiota entstehen, bilden dann perfekte „Löcher“, durch die Pathogene in die Haut eindringen können. Andere Mikroorganismen, die in geringen Mengen bereits in unserer Hautflora vorhanden sind, breiten sich bei einem Ungleichgewicht plötzlich extrem aus. Ein Beispiel ist Staphylokokkus aureus, der Unregelmäßigkeiten der Haut hervorrufen kann.

 

Wie können wir unser Mikrobiom beeinflussen?

Mittlerweile ist bekannt, dass die Zusammensetzung des Mikrobiota beeinflusst beziehungsweise gesteuert werden kann. Das bedeutet, dass sich „gute“ Mikroorganismen fördern und „schlechte“ Mikroorganismen reduzieren lassen. Möglich machen dies unter anderem probiotische Stoffe, also lebende Bakterien wie Lactobazillen, Bifidobakterien und Enterokokken. Im menschlichen Organismus sind diese lebenden Bakterien ohnehin vorhanden. Doch auch die sogenannten präbiotischen Stoffe können das Gleichgewicht des Mikrobiota positiv beeinflussen, denn sie dienen quasi als „Nahrung“ für die „guten“ Mikroorganismen. In der Regel handelt es sich bei den präbiotischen Stoffen um Kohlenhydrate wie Lactulose und die Oligofruktose Inulin, die verschiedenen Pflanzen als Energiespeicher dient. Sie sind interessanterweise nur für die „guten“ Lactobazillen und Bifidobakterien von Bedeutung, da sie von ihnen verstoffwechselt werden. Lactobazillen und Bifidobakterien sind übrigens auch im Darm zu finden, wo sie für einen leicht sauren pH-Wert verantwortlich sind. Dieser Wert ist für die Arbeit der Verdauungsenzyme eine wichtige Voraussetzung. In unseren Nahrungsmitteln sind zum Glück viele präbiotische Stoffe enthalten. In Artischocken beispielsweise, aber auch in Chicorée, Löwenzahn und Schwarzwurzeln.

 

Die Rolle des Mikrobiota in der Kosmetik

Dass ein intaktes Mikrobiota wichtig für unsere Haut ist und als natürliche Schutzbarriere dient, haben wir bereits geklärt. Wie lässt sich dies jedoch in der Kosmetik umsetzen?

Produkte mit probiotischen und präbiotischen Stoffen sind mittlerweile gar keine Ausnahme mehr. In den USA nutzen bereits mehr als 40 Prozent der sogenannten „Millenials“ probiotische Kosmetik. Das Interesse wächst kontinuierlich weiter, zumal sich selbst renommierte Magazine dem Thema zunehmend widmen. Schauen wir uns den internationalen Kosmetikmarkt an, liegt die mikrobiom-freundliche Gesichtspflege klar im Focus. Gleich dahinter folgen die Segmente Körperpflege und Haarpflege. Um beim Beispiel der Gesichtspflege zu bleiben: Zum natürlichen Mikrobiota gehören auch die Propionibakterien, die hauteigene Lipide verstoffwechseln und dabei Stoffe freisetzen, die vor „schlechten“ Mikroorganismen schützen. Bei Akne sind die Poren jedoch durch die übermäßige Talgproduktion verstopft, was zu Entzündungsreaktionen führt. Durch bestimmte Substanzen bakteriellen Ursprungs lässt sich das Hautbild jedoch wieder normalisieren. Auch im Anti-Aging-Sektor, beim Whitening, bei der Pflege von Hautkrankheiten sowie zur Unterstützung der Kollagenbildung ist mikrobiom-freundliche Kosmetik hervorragend geeignet und mehr als nur eine Alternative zu herkömmlichen Produkten. Die innovativen Substanzen tragen zum Schutz und zu einem optimalen Gleichgewicht des Mikrobiota bei, indem sie die „schlechten“ Bakterien reduzieren und die „guten“ Mikroben fördern.

 

Interessante Wirkstoffe für ein Gleichgewicht der Mikroflora

Ein spannendes Beispiel ist der Extrakt aus den Blättern des chilenischen Bodostrauches. Er sorgt dafür, dass die Bildung des antibakteriell wirkenden, hauteigenen Peptids Beta-Defensin angekurbelt wird. Dieses Peptid dockt an „schlechten“ Bakterien an und durchlöchert deren Zellmembran. So wirkt es beispielsweise sehr effektiv gegen das vorhin erwähnte Bakterium Staphylococcus aureus, das in einer gewissen Anzahl schwere Hautunregelmäßigkeiten hervorruft.

Auch Phytosterole aus Rapsöl bieten sich für mikrobiom-freundliche Kosmetik an. Während sie in den Pflanzen die Zellmembranen stabilisieren, zeigen sie beim Menschen einen anti-entzündlichen Effekt. Die Phytosterole stellen das Gleichgewicht der Mikroflora und die geschädigte Hautbarriere wieder her, sie verbessern die Feuchtigkeitsversorgung und können gereizte Haut beruhigen. Somit sind sie die ideale Lösung, wenn die Hautbarriere durch übertriebene Körperhygiene, Wind, Sonneneinstrahlung oder trockene Haut gestört ist. Der Wirkstoff kann sogar für die Babypflege verwendet werden, da er extrem mild ist.

Und dann wäre da noch ein Wirkstoff aus den Samen des „Wunderbaums“ Moringa oleifera, der traditionell als Hautantiseptikum, zur Behandlung von Entzündungen und Gelenkschmerzen sowie für Augenspülungen verwendet wird. Außerdem wirkt der Samen bakterienabtötend. Mit seiner Hilfe kann ungenießbares Wasser aufbereitet werden. In kosmetischen Produkten schützt der Wirkstoff die „guten“ Bakterien vor Umweltstress.

 

Kosmetik für ein gesundes Mikrobiota von Cosmacon

Ohne ein intaktes Mikrobiota leidet unsere Haut. Sie wird anfällig für äußere Einflüsse und schädliche Keime, neigt zu Entzündungen und trocknet aus. Cosmacon unterstützt Sie dabei, hochwertige Kosmetik zu entwickeln, die unser Mikrobiota sanft unterstützen.