Lanolin, Wollwachs, Lanolinalkohol

Schafe sind tagtäglich den unterschiedlichsten Witterungsbedingungen ausgesetzt. Damit sie vor Regen, Schmutz und Feuchtigkeit optimal geschützt sind, scheiden ihre Talgdrüsen ein Sekret aus, das als Lanolin, Wollwachs oder fälschlicherweise als Wollfett bezeichnet wird. Es bildet auf der Wollfaser einen wachsartigen Überzug, der die Wolle gegen Witterungseinflüsse abschirmt. Je nach Schafrasse enthält ungewaschene Wolle im Rohzustand etwa 8,0 bis 16,0 Prozent Lanolin.

Die hellgelbe, salbenartige Masse mit dem charakteristischen schwachen Geruch schmilzt erst bei etwa 40 Grad Celsius und ist in Wasser nahezu unlöslich. Umgekehrt kann sie aber sehr viel Wasser aufnehmen. Und sie schützt nicht nur Schafe, sondern auch die menschliche Haut: Dafür muss sie nach der Schur im Rahmen der Wollwäsche abzentrifugiert werden. Dies geschieht noch vor dem Kämmen und Spinnen der Wolle.

Schon im Altertum wurde Lanolin von den Menschen geschätzt, denn sie wussten bereits damals: Die Substanz sorgt für eine Rückfettung der Haut und trägt zur Wundheilung bei. Und das nicht ohne Grund, denn Wollwachs ähnelt der Fettschicht der menschlichen Haut. Lanolin besteht zu über 95 Prozent aus Wachsen, also aus einem Gemisch aus vorwiegend langkettigen Estern, Hydroxy-Estern und Di-Estern.

 

Lanolin spielt in der Hautpflege auch heute noch eine wichtige Rolle. Es macht die Haut weich, geschmeidig und widerstandsfähig und wird besonders gerne für trockene Hautpartien wie beispielsweise die Ellbogen, Schienbeine und Knie verwendet. Raue und gereizte Haut lässt sich durch Lanolin spürbar besänftigen, Risse heilen schneller und besser ab. Lanolin ist daher ein fester Bestandteil in vielen Cremes, Salben, aber auch in Lippenpflegestiften und Seifen. Die Konzentration fällt allerdings sehr unterschiedlich aus: In Salben und Heilcremes wird die Substanz oft in einer recht hohen Konzentration beigefügt, in Bodylotion und Tagescreme ist sie hingegen neben anderen Emulgatoren meist als Teil-Emulgator zu finden. Auch bei Schuppenflechte zeigt Lanolin häufig eine lindernde Wirkung. Durch die schonende Herstellung der modernen Lanolin-Typenbleiben auch die wertvollen Ceramide enthalten. Insofern schützt dieses zarte Fett auch die Hautbarriere. Ein echtes Multitalent also, zumal es als Naturprodukt schließlich vollkommen unbedenklich ist, oder? Nein, nicht ganz, denn der „Wunderstoff“ hat auch Schattenseiten. Wer diese jedoch kennt und entsprechend kritisch bei der Auswahl entsprechender Produkte vorgeht, ist quasi auf der sicheren Seite.

 

Die Nachteile von Lanolin und worauf Verbraucher achten sollten

Zunächst einmal beinhaltet Lanolin auch immer ein geringes Allergie-Risiko. Dies gilt aber in erster Linie für Menschen mit bereits vorgeschädigter Haut sowie für Neurodermitiker. Bei ihnen macht sich eine Allergie dann durch Hautjucken, Ekzeme, Pickel, Hautrötungen, Pusteln und Bläschen bemerkbar. Stellt der Hautarzt die entsprechende Diagnose, sollten Betroffene kein Wollwachs mehr verwenden. Wer eine gesunde Haut hat, kann Produkte mit Lanolin bei der Hautpflege aber meist ohne Bedenken einsetzen.

Aufpassen sollten auch all jene Verbraucher, die unter unreiner Haut leiden. Schön länger steht Wollwachs im Verdacht, eine komedogene Wirkung zu haben, die die Entstehung von Pickeln und Mitessern fördert. Und tatsächlich ist es so, dass lanolinhaltige Hautcremes einen Film bilden, der für trockene Haut eine wahre Wohltat ist, bei ohnehin schon fettiger oder unreiner Haut aber eher als kontraproduktiv gilt. Der Schutzfilm kann nämlich die Poren verstopfen, was zu weiteren Unreinheiten führt. Menschen mit einem unreinen Hauttyp sollten also lieber auf leichtere Hautpflegeprodukte zurückgreifen. Grundsätzlich spricht aber nichts gegen eine Anwendung von Lanolin bei trockener oder normaler Haut.

Ein weiterer Nachteil ist deutlich schwerwiegender, denn hier geht es um die Pestizidrückstände im Wollwachs. Oft wird die Wolle von Schafen nämlich mit Chemikalien behandelt, damit die Tiere vor schädlichen Parasiten geschützt sind. Es ist also gar nicht unwahrscheinlich, dass die Pestizide aus der Wolle direkt auf das Lanolin übertragen werden, da es ja aus eben dieser Wolle gewonnen wird. Pestizidhaltiges Wollwachs kann zu unangenehmen Pusteln und juckender Haut führen: Die Anwendung würde die Haut also nicht heilen oder beruhigen, sondern sie im Gegenteil sogar reizen.

Ein weiterer Aspekt betrifft die artgerechte Haltung der Schafe. So ist beispielsweise in einigen Ländern immer noch das sogenannte Mulesing verbreitet. Dabei werden schon den Lämmern größere Hautstücke im Afterbereich ohne Betäubung herausgeschnitten. Damit soll verhindert werden, dass die Tiere in dieser besonders warmen, feuchten und schmutzigen Körperregion von Fliegen befallen werden. Da die offenen Wunden oft weder versorgt noch verbunden werden, kommt es nach der Entfernung der Hautstücke oft zu sehr schmerzhaften Entzündungen. Diese können so schlimm werden, dass die Schafe qualvoll leiden und teilweise sogar einen langsamen Tod sterben. In Deutschland ist das Mulesing jedoch verboten.

Tierschutzorganisationen dokumentierten zudem schon mehrfach, dass mit den Schafen keineswegs zimperlich umgegangen wird. Die Schur entwickelt sich für viele Tiere zu einer regelrechten Tortur, die nicht selten zu blutigen Verletzungen führt.

 

Die Lösung: vegetarisch zertifiziertes Lanolin

Natürlich möchte sich niemand mit einer pestizidhaltigen Creme einreiben und natürlich möchte auch niemand hinnehmen, dass Tiere unnötig leiden müssen. Trotzdem muss keiner auf hochwertige Produkte mit Wollwachs verzichten, denn seit einiger Zeit ist das erste vegetarisch zertifizierte Lanolin auf dem Markt. Es ist voll und ganz auf Reinheit ausgelegt und wird in Europa aus NPEO-freiem Rohstoff hergestellt (gemäß cGMP und ISO 9001). NPEO steht für Nonylphenolethoxylate, die aufgrund ihrer hormonellen Wirkung schon seit einigen Jahren auf der REACH-Kandidatenliste als besonders besorgniserregende Stoffe stehen. NPEO sind als Bestandteil von Zubereitungen und Formulierungen in Konzentrationen über 0,1 Prozent in der EU verboten, Studien haben jedoch gezeigt, dass hormonelle Schadstoffe unter Umständen schon in extrem geringen Mengen gesundheitliche Schäden verursachen können. Das innovative Lanolin wurde außerdem so weit verfeinert, dass praktisch keine Spuren von Pestizidrückständen mehr vorhanden sind.

Darüber hinaus wird das Lanolin der aktuellsten Generation nicht an Tieren getestet und nach streng ethischen Grundsätzen hergestellt. Innerhalb der gesamten Lieferkette stehen der ethische Umgang mit den Tieren und das Wohlergehen der Schafe stets im Vordergrund.

Die Eigenschaften des Stoffes sind ebenso beeindruckend. Das neue Lanolin ist sowohl hypoallergen als auch dermatologisch hautfreundlich und als lipidreiches Emollient ein hervorragender Feuchtigkeitsspender. In einer In-vivo-Wirksamkeitsstudie konnte zudem nachgewiesen werden, dass sich die Faltentiefe sechs Stunden nach dem Auftragen um 45 bis 55 Prozent verringert hatte. Außerdem zeigte die Studie, dass der transepidermale Wasserverlust um 28 Prozent zurückging … und das nach einer einmaligen Anwendung. Dies führt zu der Schlussfolgerung, dass eine Behandlung mit dem ersten vegetarisch zertifizierten Lanolin aufgrund der filmbildenden Fähigkeit zu einer effektiven Bewahrung der Hautfeuchtigkeit beiträgt.

Vegetarisch zertifiziertes Lanolin bietet sich vor allem für Naturkosmetik an, empfiehlt sich aber auch für lanolinreiche Formulierungen für pharmazeutische und kosmetische Zwecke. Das können Babycremes sein, Brustcremes, aber auch Lotionen, Lippenpflege, Salben, Pflaster sowie Shampoos und Haarpflegemittel. Es ist seit 2018 sowohl allergy-certified als auch vegetarisch zertifiziert (Handelsname: Veggilan Gold Fa. LanEsters).

 

Steckbrief Wollwachs

INCI: Lanolin

CAS Nummer: 8006-54-0

EINECS-Nummer: 232-348-6

Beschreibung: gelbe Substanz mit einer salbenartiger Konsistenz

Gewinnung: aus dem Sekret der Talgdrüsen des Schafes / Gewinnung durch Schur der lebende Tiere und anschließende Wollwaschung

Wasserbindung: 200 Prozent des Eigengewichtes

Schmelztemperatur: 45 Grad Celsius

Einsatzbereiche: Konsistenzgeber in Formulierungen, zur Pflege von trockener Haut, Grundlage von Wund- und Heilsalben, Pflege für den Windelbereich bei Babys, für die Brustpflege in der Stillzeit, zur Hautpflege bei Inkontinenz

 

Steckbrief Wollwachsalkohol

INCI: Lanolin Alcohol

CAS-Nummer: 8027-33-6

Gewinnung: aus Wollwachs durch alkalische Verseifung und Extraktion des Unverseifbaren

Eigenschaften: etwas leichter als Lanolin, weniger klebrig

Einsatzbereiche: als rückfettendes Emolliens in Salben und Cremes

 

Lanolin

Dank der besonderen Eigenschaften ist Lanolin hervorragend zur Pflege von trockenen und schuppenden Hautzuständen geeignet. Es wird von der Haut gut aufgenommen, spendet Feuchtigkeit, wirkt rückfettend und bietet sich vor allem für W/O-Emulsionen an. Allerdings ist unbedingt auf eine gute Qualität zu achten. Das Wollwachs sollte weitestgehend pestizidfrei und hypoallergen sein, außerdem sollte bei der Herstellung auf das Tierwohl geachtet werden. Bei der Entwicklung einer entsprechenden Formulierung ist Ihnen Cosmacon natürlich gerne behilflich.