Hyaluronan, Sodium Hyaluronate

Hyaluronan (auch Hyaluronsäure) ist ein Glycosaminoglycan, das von dem deutschen Mediziner und Biochemiker Karl Meyer in den 1930er Jahren zum ersten Mal entdeckt wurde. Er war es auch, der den Begriff Hyaluronsäure prägte. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus der altgriechischen Bezeichnung „Hyalos“ für Glas sowie „Uron“, einem Kürzel, das für Uronsäuren steht. Der Grund: Karl Meyer entdeckte den Stoff, als er Glaskörper (Bestandteile unserer Augen) untersuchte. Nach der neueren Nomenklatur sprechen wir aber inzwischen offiziell nicht mehr von Hyaluronsäure, sondern von Hyaluronan.
Die Substanz ist bei nahezu allen Wirbeltieren ein wichtiger Bestandteil der extrazellulären Matrix. Als langkettiges, lineares Polysaccharid erfüllt sie viele wichtige Funktionen. So besitzt sie beispielsweise die Fähigkeit, im Verhältnis zu ihrer Masse enorme Wassermengen zu binden. Genau genommen sind es pro Gramm bis zu sechs Liter Wasser. Ein interessantes Beispiel ist der Glaskörper in unserem Auge, der zu 98 Prozent aus Wasser besteht. Gebunden ist dieses jedoch lediglich an zwei Prozent Hyaluronan.
Der Stoff ist als „Schmiermittel“ aber auch der wichtigste Bestandteil unserer Gelenkflüssigkeit. Er sorgt dafür, dass Gelenkbewegungen „reibungslos“ ablaufen. Dabei verändert sich seine Viskosität je nach Art und Stärke der einwirkenden mechanischen Kräfte. Darüber hinaus übernimmt Hyaluronan eine wichtige Strukturfunktion im Gehirn.

Die Gewinnung

Grundsätzlich gibt es zwei Verfahren, Hyaluronan zu gewinnen: aus tierischen Produkten und durch ein biotechnologisches Verfahren. Früher wurde die erste Variante angewandt, dabei kamen hauptsächlich Hahnenkämme zum Einsatz. In den späten neunziger Jahren setzte sich dann die Gewinnung via Biotechnologie durch. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich dabei um die Fermentierung (durch Bakterien) von Proteinen aus Hefe. Die so gewonnene und mehrfach gefilterte Hyaluronsäure ist frei von tierischem Eiweiß, was das Risiko für allergische Reaktionen minimiert. Sie wird manchmal auch als „vegetarische Hyaluronsäure“ bezeichnet.

Hyaluronan in der Kosmetik

Je älter wir werden, umso weniger Hyaluronan produziert unser Körper. Das führt dazu, dass sich die gespeicherten Depots schon mit Ende 20 ganz allmählich leeren. Mit entsprechenden Produkten können wir den „Vorrat“ wieder auffüllen, so dass der Alterungsprozess der Haut verlangsamt wird und sich weniger Fältchen bilden.
Im Gegensatz zu einigen anderen „Wundermitteln“ konnte die Anti-Falten-Wirkung von Hyaluronsäure bereits belegt werden. Wenn die Haut regelmäßig und ausreichend mit Hyaluronan versorgt wird, wirkt sie nachweislich jugendlicher und praller, da der Stoff einen aufpolsternden Effekt hat. Nicht umsonst tragen manche Hyaluronan-Produkte den Beinamen „Filler“ (Auffüller). Darüber hinaus aktiviert die Substanz die Erneuerung und Regenerierung von Zellen und schützt vor schädlichen Umwelteinflüssen. Trockene Haut mit einer gestörten Barriereschicht erfährt sofortige Linderung durch einen verwöhnenden Feuchtigkeitskick. Integriert in eine Bodylotion, trägt Hyaluronan zu einer Remodellierung der Körpersilhouette bei. Der Stoffwechsel wird angeregt, was wiederum den Fettabbau im Gewebe fördert.
Allerdings trifft die straffende und faltenreduzierende Wirkung nicht auf alle Produkte beziehungsweise jede Hyaluronsäure zu, denn es gibt verschiedene Arten, und die haben unterschiedliche Wirkungen.

Ein gutes Anti-Falten-Serum enthält meist etwa ein Prozent reine Hyaluronsäure. Für eine langfristige und effektive Wirkung sollte der größte Anteil aus Oligo Hyaluronsäure bestehen und solche Produkte weisen immer eine leicht-klebrige Phase auf.

Im Umkehrschluß heißt das, wenn Hyaluronseren keine klebrige Zwischenphase aufweisen, ist eher wenig Hyaluronsäure enthalten.

Die verschiedenen Arten von Hyaluronan

Wissenschaftler unterscheiden drei Arten: hochmolekulare und niedermolekulare Hyaluronsäure sowie Oligo Hyaluronan. Wie schon erwähnt, kommt die Substanz in unserem Körper vorwiegend als langkettige Verbindung vor, sie hat also eine hohe Molekülmasse (1500 Kilodalton und größer). Wird sie kosmetisch eingesetzt, bildet sie zusammen mit dem Keratin der Haut beim Verdunsten einen Film, der die Elastizität erhöht, die Haut mit Feuchtigkeit versorgt und leicht entzündungshemmend wirkt. Allerdings gibt es auch einen Nachteil: Langkettiges Hyaluronan kann unsere Hautbarriere nicht penetrieren, es zieht nicht ein und wird recht schnell wieder abgewaschen. Eine Langzeitwirkung mit Anti-Falten-Effekt bietet diese Art also nicht. Nichtsdestotrotz ist sie eine Wohltat für unsere Haut und sorgt für ein deutlich besseres Hautgefühl.
Niedermolekulares Hyaluronan hat eine Molekülmasse von 50 Kilodalton und kleiner. Sie zieht darum auch sehr gut in die Haut ein und wird im Bindegewebe gespeichert. Die zusätzliche Feuchtigkeit sorgt dafür, dass unsere Haut sichtbar straffer und praller wirkt und Falten gemildert werden. Davon profitiert insbesondere reifere Haut. Der Effekt ist zudem deutlich nachhaltiger als bei hochmolekularer Hyaluronsäure.
Bei der dritten Art handelt es sich um Oligo Hyaluronan. Hier haben wir es mit extrem kurzkettigen Molekülen (5,0 Kilodalton und kleiner) zu tun. Die Substanz hat eine noch bessere und nachhaltigere Anti-Falten-Wirkung, da sie besonders tief in die Haut einziehen kann, und ist noch relativ neu auf dem Markt. Sie ist hauptsächlich in exklusiven und erlesenen Kosmetikprodukten zu finden.

 

Bitte sehen nachstehend in unserer Tabelle, mit welchen Hyaluronsäure-Arten wir gerne arbeiten:

TypMolekulargewicht
(in Dalton)
Anwendung
HW2.000.000-2.400.000Filmbildend, spürbarer Schutzfilm
MW1.200.000 bis 1.800.000Hautbefeuchtend, langanhaltend
LW500.000 bis 1.000.000Sofort-Effekt, Verbesserung des Feuchtigkeitshaushalt der Haut
S200.000 bis 400.000Tiefenwirkung
XS< 100.000Wiederaufbau
Oligo< 50.000Aufpolsternd
Ultra< 5.000Aufpolsternd, Soforteffekt, Tiefenwirkung
Hyaluron-Spezialprodukte
Hyaluron EXTG 100 Aqua, Pentylene Glycol, Sodium Hyaluronate Crosspolymerfilmbildend, Anti-Pollution
Hyaluronic Gel PlatinumAqua, Pentylene Glycol, Sodium Hyaluronate, Sodium Acetylated Hyaluronate, Sodium Hyaluronate Crosspolymer, Hydrolyzed Sodium Hyaluronate, Magnolia Officinalis Bark Extract, Paeonia Lactiflora Root ExtractAktiv-Hyaluronwirkkomplex
Hyaluron Platinum Gel plus 2.5 Aqua, Pentylene Glycol, Sodium Hyaluronate, N-Acetyl Glucosamine, Hyaluronic Acid, Hydrolyzed Sodium Hyaluronate, Tremella Fuciformis Sporocarp Extract, Sodium Acetylated HyaluronateAktiv-Hyaluronwirkkomplex mit freier Hyaluronsäure
Hyaluron Gel Pep Aqua, Alcohol, Sodium Hyaluronate, Glycerin, Sodium Anisate, Sodium Levulinate, Citric Acid, Acetyl Hexapeptide-8Hyaluron mit Anti-Falten-Peptid
Hyaluron CationicHydroxypropyl Trimonium Hyaluronatekatholisierte Hyaluronsäure für die Haarpflege

 

Steckbrief Hyaluronsäure

INCI: Sodium Hyaluronate
Beschreibung: eine durchsichtige, gelartige Substanz
Definition: Bestandteil der extrazellulären Matrix, ein Glycosaminoglycan, das unser Körper selbst bildet, dessen Produktion aber mit zunehmendem Alter nachlässt
CAS-Nummer: 9067-32-7
EINECS: 618-620-0
Wirkung: feuchtigkeitsbindend, straffend, aufpolsternd, glättend, pflegend, leichte Schutzwirkung von UV-Strahlen
Einsatzmöglichkeiten: Cremes, Seren, Lotionen, Feuchtigkeits-Booster, Anti-Aging-Produkte

Hyaluronan, ein körpereigener Wirkstoff mit vielen Vorteilen

Kosmetikprodukte mit Hyaluronsäure sorgen für eine spürbar glatte, straffe und strahlende Haut. Je nachdem, welche Hyaluronan Art eingesetzt wird, dient der Wirkstoff als effektiver Faltenauffüller, der die Haut quasi von innen aufpolstert. Er bietet sich vor allem für den Anti-Aging-Bereich an und eignet sich nicht nur für die Gesichts-, sondern auch für die Körperpflege. Sie wünschen weitere Informationen? Fragen Sie uns gerne.

 

Quellen:

  • Wohlrab W, Neubert R, Wohlrab J. Hyaluronsäure und Haut, Trends Clin Exp Dermatol, Aachen, Shaker, 2004, vol3
  • Essendoubi M, Gobinet C, Reynaud R, Angiboust JF, Manfait M, Piot O. Human skin penetration of hyaluronic acid of different molecular weights as probed by Raman. Spectroscopy Skin Res Techn 2015, Apr 16. doi:10.1111/srt12228
  • Witting M,Boreham A,Brodwolf R, Vavrova K, Alexiev U, Friess W, Hedtrich S. Interactions of hyaluronic Acid with skin ….. Mol Pharm. 2015, May 4, 12(5), 1391-1401. doi:10.1021/mp500676e
  • Pavicic T, Gauglitz GG, Lersch P, Abdellaoui K, Malle B, Korting HC, Farwick M. Efficacy of cream base novel formulations of Hyaluronic Acid of different molecular weights in Anti-wrinkle treatment. J Drugs Dermatol, 2011; 10(9); 990-1000
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