Adaptogene

biologisch aktive Pflanzenstoffe; Noni; Schlafbeere; Adaptogene

Schon vor mehr als 70 Jahren war der russische Pharmakologe Nicolai Lazarev davon überzeugt, dass es Pflanzenwirkstoffe gibt, die dem Menschen dabei helfen, emotionalen und körperlichen Stress zu reduzieren beziehungsweise besser zu kompensieren. Seine umfangreichen Forschungen bestätigten die These schließlich. Lazarev nannte diese besonderen Wirkstoffe Adaptogene, was sich auf die englische Phrase „to adapt“ (sich anpassen) bezieht. Durch die Heilpflanzen ist der Organismus nämlich in der Lage, sich an höhere Belastungen perfekt anzupassen, so dass er gegenüber einer möglichen Überbelastung unempfindlicher wird. Es handelt sich bei den Wirkstoffen also keinesfalls um Beruhigungsmittel, sondern um pflanzliche Substanzen, die sowohl den Geist als auch den Körper widerstandsfähiger machen. Adaptogene haben eine ausbalancierende und regulierende Wirkung. Fühlt sich der Mensch gestresst, haben sie tatsächlich einen ausgleichenden und beruhigenden Effekt, umgekehrt besitzen die Stoffe aber auch aufbauende Eigenschaften, wenn sich der Mensch kraftlos und ausgelaugt fühlt. Adaptogene gehören somit zu den faszinierendsten Substanzen der Natur, denn die Heilpflanzen sind in der Lage, ihre Wirkung exakt an den momentanen Zustand des Körpers und der Psyche anzupassen. In der chinesischen Medizin und im Ayurveda sind Adaptogene schon sehr lange bekannt. Aufgrund ihrer harmonisierenden Wirkung auf das Immunsystem, den Schlaf und die Seele werden sie im asiatischen Raum seit Jahrhunderten geschätzt. Erst durch die Forschungsarbeit des Pharmakologen Nicolai Lazarev wurde auch Europa auf die positiven Eigenschaften der Adaptogene aufmerksam. Bis sich diese bei uns wirklich durchsetzen konnten, vergingen jedoch viele Jahre. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bescheinigte dem Adaptogen Rhodiola rosea (Rosenwurz) beispielsweise erst 2011 den positiven Einfluss auf Stresssymptome. Seitdem beschäftigen sich Forscher mehr und mehr mit der verblüffenden Wirkung dieser außergewöhnlichen Heilpflanzen. Mittlerweile ist auch bekannt, dass Adaptogene in der Kosmetik wertvolle Dienste leisten.

 

So wirken Adaptogene

Adaptogene wirken dort, wo normalerweise das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet wird: an der Stressachse unseres Körpers, die sich vom Gehirn bis hinunter zum Darm erstreckt und auch Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse genannt wird. Entlang dieser Achse wirkt sich Cortisol normalerweise auf zahlreiche Körperfunktionen aus. Auf den Magen-Darm-Trakt beispielsweise („Stress schlägt auf den Magen“), aber auch auf Puls und Blutdruck. Wird Stress dann irgendwann chronisch, schwächt er unseren Körper nachhaltig. Die Stressachse ist nämlich ein ganz wichtiger Bestandteil des menschlichen Hormonsystems und reguliert Prozesse wie unsere Stimmung, das Immunsystem oder eben auch die Verdauung. Außerdem kontrolliert sie unseren Stressfaktor. Die Adaptogene regulieren all diese Körperreaktionen, indem sie die Ausschüttung von Cortisol beeinflussen und somit zu einem verbesserten inneren Gleichgewicht beitragen. Das Besondere: Ihre Wirkung erstreckt sich dabei nicht nur auf einen Teilbereich im Organismus, sondern ist grundsätzlich ganzheitlich anzusehen.

Im Einzelnen heißt das: Unser Körper wird gegenüber psychologischen Faktoren wie Depressionen, Anspannung oder Angst toleranter, seine Belastbarkeit nimmt aber auch bei Umwelteinflüssen wie Hitze, Kälte und Lärm zu. Darüber hinaus zeigt er sich resistenter gegenüber biologischen und chemischen Schadstoffen.

Mit Nebenwirkungen muss in der Regel nicht gerechnet werden und Adaptogene sind auch nicht toxisch. Nach dem aktuellen Stand der Forschung hat selbst eine Überdosierung keine negativen Folgen. Adaptogene können auch längerfristig eingenommen oder angewendet werden, zumal sie bei normalen oder nur leicht veränderten Körperfunktionen ohnehin keine Wirkung zeigen. Diese tritt erst bei einer entsprechenden Indikation (beispielsweise in Stressphasen) ein.

 

Adaptogene in der Kosmetik

Wenn wir unter Stress leiden, macht sich dies auch an unserer Haut und an unseren Haaren bemerkbar. Die Anspannung lässt uns im wahrsten Sinne des Wortes alt aussehen. Die Haut sieht fahl aus, das Haar wirkt glanzlos. Und auch Stressfaktoren wie UV-Strahlen und Rauchen setzen unserer Haut stark zu.

Die biologisch aktiven Pflanzenstoffe sind in der Lage, auch die äußerlichen Langzeitschäden von Stress einzudämmen. Sie geben unseren Zellen wichtige Impulse zur Regeneration und zur Neubildung, verhindern ein Austrocknen der Haut und machen sie geschmeidiger. Durch die Adaptogene passt sich die Haut zudem besser an die täglichen Belastungen an und wird robuster. Die Substanzen tragen zum Erhalt einer jugendlichen Ausstrahlung bei und haben sogar einen gewissen Anti-Aging-Effekt, da sie das Mikrorelief der Haut verbessern können. Und auch in der Haarpflege haben sie mittlerweile einen festen Platz, denn Adaptogene tragen zur Beruhigung der Kopfhaut bei und lassen das Haar wieder kräftiger und lebendiger erscheinen.

 

Die wichtigsten bekannten Adaptogene im Überblick

 

Ginseng (Panax ginseng)

Ginseng wird auch gerne als „König der Adaptogene“ bezeichnet, denn er verbessert die mentale Leistungsfähigkeit und fördert die individuelle Stressresistenz. In der asiatischen Medizin findet er schon seit Jahrtausenden Anwendung. Kein Wunder, denn Ginseng hat einen positiven Einfluss auf unsere Wohlfühl- und Glückshormone! Die Ginsengwurzel ist reich an Ginsenoiden und enthält neben wertvollen Vitaminen (vor allem aus der B-Gruppe) auch Eisen, Kalzium, Kupfer, Phosphor, Magnesium und Zink. Außerdem stecken in ihr Aminosäuren und Spurenelemente wie Silizium und Selen. Nicht umsonst trägt Ginseng den Beinamen „Pflanze der Lebenskraft“.

 

Noni (Morinda citrifolia)

Die Noni-Frucht vom gleichnamigen Baum, der auch unter der Bezeichnung „Indischer Maulbeerstrauch“ bekannt ist, gedeiht hauptsächlich in den Küstenregionen Westindiens und Mittelamerikas. Sie gehört zu den wichtigsten Lieferanten essenzieller Nährstoffe und ist reich an Enzymen, Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen, Proteinen, Spurenelementen und Mineralstoffen. Diese haben eine entzündungshemmende Wirkung und verfügen über antioxidative Eigenschaften. Sie schützen den Körper und somit auch die Haut vor den gefürchteten freien Radikalen. Darüber hinaus ist die Noni auch bei Sportlern sehr beliebt, da sie einen regenerierenden und ausdauerfördernden Effekt hat.

 

Shiitake

Shiitake Pilze sind nicht nur leckere Speisepilze, sondern sie gehören auch zu den wirksamsten Heilpilzen in der chinesischen Medizin. Ihre Inhaltsstoffe dienen als hochwirksame Adaptogene, denn ihnen wird unter anderem eine positive Beeinflussung der Darmflora zugeschrieben. Außerdem tragen sie zu einer Regulierung des Blutfettspiegels und zu einer Stärkung des Immunsystems bei.

 

Reishi/Ling-Zhi

Der Reishi Pilz ist anders als der Shiitake Pilz zwar kein Speisepilz, als Heilpilz findet er jedoch schon lange Verwendung. Außerdem galt er in Asien in früheren Zeiten als Talisman. Seine Eigenschaften sind beeindruckend. So besitzt er beispielsweise die Fähigkeit, Schlafprobleme zu lindern. Außerdem enthält der Reishi, der bei uns unter dem Namen „Glänzender Lackporling“ bekannt ist, sehr viele wertvolle Adaptogene. Diese wirken Alterungsfaktoren wie Cortisol-Überschuss, freien Radikalen und Stress entgegen und haben somit einen Anti-Aging-Effekt. Auch bei Entzündungsprozessen sollen sie helfen können.

 

Maitake

Der Maitake Pilz (Gemeiner Klapperschwamm) hat in der Traditionellen Chinesischen Medizin einen hohen Stellenwert, denn seine Inhaltsstoffe und Adaptogene können unter anderem bei Hypertonie, Diabetes und Adipositas helfen. Auch bei Beschwerden im oberen Gastrointestinaltrakt und zur Behandlung von Hämorrhoiden wird er gerne eingesetzt. Darüber hinaus tragen die Adaptogene im Maitake Pilz zur Beruhigung der Nerven bei.

 

Mandelpilz

Der Mandelpilz gilt als Vitalpilz und hat eine immunregulierende Wirkung. Die körperliche und geistige Widerstandsfähigkeit wird langfristig verbessert, das Risiko für Allergien nimmt im Gegenzug ab. Dafür sind die enthaltenen Adaptogene verantwortlich. Die medizinische Wirkung des Mandelpilzes wurde bereits in Studien nachgewiesen. Seine Adaptogene sollen aktuellen Forschungen zufolge sogar einen krebshemmenden beziehungsweise krebsvorbeugenden Effekt haben.

 

Schisandra

Der Chinesische Limonenbaum, auch Schisandra genannt, trägt beerenähnliche Früchte, denen heilende und tonisierende Eigenschaften zugeschrieben werden. In den Früchten sind viele Adaptogene enthalten: allen voran die Vitamine E und C, aber auch wertvolle Mineralstoffe. Schisandra soll Hautentzündungen ausgleichen können und wird oft als natürlicher UV-Filter in Sonnenschutzprodukten eingesetzt.

 

Rosenwurz

Rosenwurz (Rhodolia rosea) kommt in der alternativen Heilkunde recht häufig zum Einsatz. Die enthaltenen Adaptogene können schließlich zur Steigerung der Leistungsfähigkeit beitragen und dem Körper dabei helfen, Stress abzubauen. In der Kosmetik bewährt sich Rosenwurz vor allem bei eingefallenen Konturen und Falten. Die Adaptogene regen die Elastin- und Kollagenbildung an, so dass die Haut langfristig straffer und glatter wirkt.

 

Ashwaganda (Schlafbeere)

Die Ashwaganda trägt nicht umsonst den Beinamen Schlafbeere, denn sie hat eine narkotisierende Wirkung. Gleichzeitig fördert die Wurzel, die üblicherweise zu Pulver gemahlen wird, aber auch einen klaren, ruhigeren Geist. Toller Nebeneffekt: Die Adaptogene der Schlafbeere verjüngen den Teint.

 

Tulsi

Tulsi oder Indisches Basilikum hilft vor allem gegen Depressionen, Müdigkeit, Asthma und Stress. Die uralte mystische Pflanze gehört zur Familie der Lippenblütler und enthält jede Menge Adaptogene. Sie hat eine immunstimulierende und antibakterielle Wirkung und wird traditionell bei Grippe, Erkältungen und fieberhaften Krankheiten eingesetzt.

 

Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum)

Dank der enthaltenen Adaptogene trägt das Kürbisgewächs den Beinamen „Kraut der Unsterblichkeit“. Mehr als 100 Saponine wurden bislang in der Pflanze identifiziert. Sie kann Hitze ausleiten, den Geist erfrischen, den Blutzuckerspiegel senken und die Leberfunktion schützen.

 

Maca

Die südamerikanische Wurzelknolle Maca kann die Ausdauer und Widerstandsfähigkeit des Körpers gezielt unterstützen. Die Adaptogene schenken dem Körper neue Energie und helfen beim Stressabbau.

 

Kalmegh

In der indischen und chinesischen Medizin ist die Kalmegh eine wichtige Heilpflanze. Sie hilft bei Atemwegsinfektionen sowie Fieber und lindert Verdauungsbeschwerden. Ihre Adaptogene haben antibakterielle, blutzuckersenkende, antivirale, stärkende und tonisierende Eigenschaften. Wichtigste Inhaltsstoffe sind Di-Terpenlactone, Sesqiterpene und Flavonoide.

 

Amla

Die Amla oder Indische Stachelbeere ist dank ihrer Adaptogene ein wahrer Immun-Booster. Sie strafft die Haut und hilft gegen Akne, außerdem kann sie die Entstehung von Falten und feinen Linien reduzieren. Die antioxidativen Eigenschaften verlangsamen den allgemeinen Alterungsprozess.

 

Adaptogene in Kosmetikprodukten von Cosmacon

Die Wirkstoffe harmonisieren viele physiologische Funktionen und haben auf die Haut einen überaus positiven Einfluss. Ob gegen Stress oder als regelrechtes Jungbrunnen-Elixier, Adaptogene machen den Körper und damit auch unsere Haut widerstandsfähiger und belastbarer. Sie bieten sich daher optimal für hochwertige Kosmetik an.

 

Quellen:

Alles über Adaptogene: Von Ashwagandha bis Rhodiola – Heilpflanzen, die den Organismus transformieren und heilen; Agatha Noveille; Kopp-Verlag