Ucuuba

Ucuuba, Virola Surinamensis

Ucuuba, botanische Bezeichnung Virola surinamensis, ist in den Sumpfgebieten und im Tiefland des Amazonas-Regenwaldes heimisch.

Der Baum erreicht eine Höhe bis zu 35 Metern. Die Früchte des Baumes aus der Familie der Myristicaceae fallen herab, sobald sie reif sind. Ihre charakteristisch rot geäderten Samen trennen sich von der Frucht und werden von den Einheimischen aufgesammelt.

Ucuuba bedeutet in der Tupi-Sprache „Butterbaum”, von „uku“ = Fett und ubá = Baum. Diese Bezeichnung ist im wahrsten Sinne des Wortes zutreffend.

Heutzutage wird die aus den Samen gewonnene Ucuuba-Butter für die Herstellung von Kosmetika, Kerzen und Parfums verwendet. Die Butter kann zu unterschiedlichen medizinischen Zwecken, insbesondere zur Behandlung von Rheuma, Arthritis und Krämpfen, eingesetzt werden. In früheren Zeiten nutzten die Einheimischen sie zur Behandlung von Wunden, Entzündungen oder Pilzerkrankungen.

 

Nachhaltige Nutzung

Das Holz der Ucuuba-Bäume eignet sich sehr gut für die Furnier- und Sperrholzindustrie, für Spielzeug, Blei- und Buntstifte. Diese Tatsache wurde dem Baum beinahe zum Verhängnis, da sein Holz zu einer der meist exportierten Holzarten des Amazonas-Regenwaldes wurde.

Die Abholzung führte dazu, dass der Ucuuba-Baum von 1992 bis vor kurzem vom Brasilianischen Institut für Umwelt und erneuerbare natürliche Ressourcen (IBAMA), das in Brasilien für den Umweltschutz zuständig ist, auf die Liste der bedrohten Arten gesetzt wurde.

Mit der nachhaltigen Nutzung der Ucuuba-Samen zur Ölgewinnung wird nicht nur der Erhalt des Baumes gesichert, sondern auch die Beschäftigung von vielen Familien im Amazonasgebiet gemäß den Prinzipien des fairen Handels.

Um den Wert für den internationalen Handel zu steigern und gute Produktqualität zu garantieren, sind Zertifizierungen sinnvoll, z.B. Ecocert, Cosmos, USDA Organic, Organico Brasil, Euro-Bio-Label für die Produkte des brasilianischen Rohstoffanbieters Beraca.

 

Gewinnung

Die Samen enthalten die Ucuuba-Butter mit nährenden und intensiv feuchtigkeitsspendenden Eigenschaften und einer zarten und samtigen Textur.

Ein Baum liefert pro Jahr 30 bis 50 Kilogramm Samen. Diese enthalten 50-60 % Pflanzenfett; und auch in der Trockenmasse sind es noch 40%.

Die Samen werden ausgepresst, idealerweise mit einem mechanischen Kaltpressungsverfahren.

In einer Studie aus dem Jahr 2018 (Supercritical CO2 extraction of ucuuba [Virola surinamensis] seed oil) wird der höchste Ertrag bei superkritischer CO2-Extraktion mit 64,39% angegeben.

 

Wertvolle Substanzen

In der phytochemischen Analyse (obige Studie 2018) wurden Steroide, Terpene, Coumarine und Phenolverbindungen nachgewiesen.

Alle Ucuuba-Proben zeigten antioxidative Aktivität.

In der mikrobiellen Prüfung erwies Ucuuba-Öl sich gegen den Eiter erregenden und z.B. bei Akne vorkommenden Staphylococcus aureus als wirksam.

Das Öl oder genauer die Butter ist von fester Konsistenz und hat mit leicht über 50°C einen hohen Schmelzpunkt.

 

Sie besteht nahezu zu fast 100 Prozent aus gesättigten Fettsäuren:

Myristinsäure  70-76%

Laurinsäure  16-20%

Palmitinsäure  6-9%

Stearinsäure   8%

 

Myristinsäure ist Bestandteil des Hauttalgs und der Phospho- und Sphingolipide. Als Lipidanker kann sie Proteine in Membranen verankern. Sie wird als Emulgator/ Tensid, Gelbildner, zum Reinigen der Haut und als Duftstoff verwendet.

Laurinsäure ist Bestandteil von Phospho- und Sphingolipiden.

Palmitinsäure ist Bestandteil des Lipidmantels der Haut. Sie wird als Emulgator/Tensid, Konsistenzgeber eingesetzt.

Aufgrund ihrer Kettenlängen von 12, 14 und 16 Kohlenstoffatomen bieten Laurin-, Myristin-, und Palmitinsäure sich für Seifen an, bei denen viel Schaum bei der Benutzung erwünscht ist.

In der Kosmetik haben gesättigte Fettsäuren (Myristin-, Palmitin-, Stearinsäure) eine „positivere“ Bedeutung als in der Ernährung. Sie weisen im Gegensatz zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren eine hohe Oxidationsstabilität auf. Darum sind sie in den hauteigenen Lipiden vorherrschend, während die oxidationsanfällige Linolsäure zum großen Teil an Ceramide gebunden ist und nur zu etwa 12% als freie Fettsäure vorliegt. Das ist sinnvoll, da Lipidperoxidation die Haut schneller altern lässt.

 

Ucuuba in der Kosmetik

Ucuuba-Butter ist somit eine ideale, oxidationsstabile Basis für W/O-Cremes.

W/O Emulsionen pflegen die trockene Haut. Sie bilden einen schützenden Film, von dem das Wasser abperlt. Sie ziehen zwar nicht so schnell in die Haut ein wie O/W-Produkte, begünstigen aber die Feuchtigkeitsanreicherung in den obersten Hautschichten und verzögern die Wasserabgabe über die Haut. Ucuumba ist somit auch für die Anti-Aging-Pflege ideal.

Ucuuba bietet sich auch für wasserfreie Oleogele an.

Auch für Rasiercreme ist sie geeignet und kann dort auch als Rückfetter dienen. Rasiercreme wird vor der Nassrasur auf die Haut aufgetragen und erspart den Rasierschaum. Sie erleichtert das Gleiten der Rasierklinge und verhindert das Austrocknen der Haut.

Ucuuba-Butter kann als Öl- und Wachskomponente in Mascara, Augenbrauenstift, Lippenstift und Lipgloss eingesetzt werden und Bienenwachs, Paraffin oder tierische Fette ersetzen.

In Frisiercremes und den heute kaum noch verwendeten Pomaden kann Ucuuba-Butter Mineralwachse und -öle ersetzen.

Ucuuba ist reich an reparierenden Wirkstoffen und feuchtigkeitsspendenden Substanzen.

Dank ihrer leichten Textur eignet sich die Ucuuba-Butter perfekt, um selbst die trockenste Haut mit Feuchtigkeit zu versorgen und sie zu reparieren, ohne ein fettiges oder klebriges Hautgefühl zu hinterlassen.

Uccumba als Quelle von Laurinsäure wirkt ausgleichend, klärend, mattierend auf die unreine Haut.

Aufgrund ihrer antioxidativen Wirkung und nachgewiesenen Wirksamkeit gegen Staphylococcus aureus ist sie auch zu Behandlung von Akne, Ekzemen, Unreinheiten zu empfehlen.

In Handcremes kann sie durch ihre Lipidperoxidation-hemmende Wirkung Pigmentflecken vorbeugen.

Aufgrund des Gehalts an Myristin-, Laurin- und Palmitinsäure gibt sie veganen Naturseifen gute Schaumbildung, Konsistenz und einen angenehmen Duft.

Dem Haar verleiht sie Glanz und Elastizität und sie reduziert Haarschäden durch freie Radikale.

 

Nachteile von Ucuuba Butter

Fehlen entsprechende Angaben/ Zertifizierungen zur Gewinnung der Ucuuba-Produkte, ist nicht auszuschließen, dass Umwelt- und Arbeitsschutz nicht beachtet wurden, und auch der Gehalt an den wertvollen Inhaltsstoffen ist nicht gewährleistet.

Solche Zertifizierungen garantieren auch die Freiheit von Insektiziden, Herbiziden, Bakteriziden oder gar den Verschnitt mit Mineralfetten oder tierischen Fetten.

Wer auf gute Qualität achtet, kann mit der Verwendung von Ucuuba-Produkten dagegen einen Beitrag zum Schutz des Regenwaldes leisten.

 

Steckbrief:  Ucuuba

INCI:  Virola Surinamensis Seed Butter

CAS-Nummer:  1977518-38-9

Herkunft: Amazonasgebiet, Brasilien

Beschreibung: Butter, hellbraunes Pflanzenfett mit goldenen Flecken, süßlicher Geruch

Schmelzpunkt:  51,1°C

Gewinnung: Kaltpressung

Lagerung; kühl, trocken, lichtgeschützt

Lagertemperatur: 14 – 18°C

Haltbarkeit: ungeöffnet 18 Monate

Wirkung: Haut-reparierend, ausgleichend, mattierend, kein fettiges Gefühl, für trockene Haut, Anti-Aging

Verwendung: Haut-, Haarpflege, Rasiercreme, Wachskomponente, kann tierische Fette, Bienenwachs, Paraffin ersetzen

 

Fazit Ucuuba

Gesättigte Fettsäuren haben für die Kosmetik eine andere Bedeutung als für die Ernährung. Die Uccuba-Butter ist ein treffendes Beispiel. Da sie zu fast 100 Prozent aus gesättigten Fettsäuren besteht, ist sie ausgesprochen oxidationsresistent und kann diese Eigenschaft auch der Haut zugutekommen lassen. In reichhaltigen Cremes zur Pflege für die trockene oder reife Haut, in Makeup-Produktes als Ersatz für Bienenwachs oder Paraffin oder in hochwertigen Naturseifen kann sie als „exotische“ Ingredienz ein echter Anreiz zur Verwendung sein. Lassen sie sich von Cosmacon zu allen Fragen des Rohstoffes und seinem Einsatz in interessanten Formulierungen beraten.

 

Literatur:

The Use of Medicinal Plants in the Riverside Community of the Mazagão River in the Brazilian Amazon, Amapá, Brazil: Ethnobotanical and Ethnopharmacological Studies.

Ferreira Rodrigues Sarquis RDS, Rodrigues Sarquis Í, Rodrigues Sarquis I, Fernandes CP, Araújo da Silva G, Borja Lima E Silva R, Gonçalves Jardim MA, Sánchez-Ortíz BL, Carvalho JCT.Evid Based Complement Alternat Med. 2019 Apr 10;2019:6087509

 
In vitro and in vivo inhibition of HCT116 cells by essential oils from bark and leaves of Virola surinamensis (Rol. ex Rottb.) Warb. (Myristicaceae).

Anunciação TAD, Costa RGA, Lima EJSP, Silva VR, Santos LS, Soares MBP, Dias RB, Rocha CAG, Costa EV, Silva FMAD, Koolen HHF, Bezerra DP.J Ethnopharmacol. 2020 Nov 15;262:113166

Pharmacological Extracts and Molecules from Virola Species: Traditional Uses, Phytochemistry, and Biological Activity.

González-Rodríguez M, Ruiz-Fernández C, Francisco V, Ait Eldjoudi D, Farrag AbdElHafez YR, Cordero-Barreal A, Pino J, Lago F, Campos-Toimil M, Rocha Carvalho G, Melo Costa Pereira T, Gualillo O.Molecules. 2021 Feb 3;26(4):792